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"Ich hatte rings an mir eine Menge von Kugelfläschchen voller
Tau festgemacht, und die Sonnenhitze, die sie anzog, hob mich
so hoch empor, dass ich mich schließlich über den höchsten Wolken
befand.“
Leider aber landet unser wackerer französischer Abenteurer nicht
wie geplant auf dem Mond, sondern weit abgeschlagen in Französisch-Kanada.
Ein Experiment mit Feuerwerkskörpern schließlich bringt
ihn an das ersehnte Ziel, wo er auf eine blühende Zivilisation
mit gar sonderbaren Sitten und Gebräuchen stößt.
So benutzen die großnasigen [sic!] Mondbewohner ihre Riechorgane
als Sonnenuhr. Sein Weg führt ihn gar zur Residenz des Mondkönigs,
wo er feststellen muss, dass er keineswegs der erste Mensch auf
dem Mond ist: Ein Herr aus Kastilien hat bereits lange vor ihm
mithilfe von Vögeln den Weg auf den Mond gefunden. Da sich
auf dem Mond aber nur die Affen nach spanischer Art kleiden, machte
man den Kastilier kurzerhand zum Haustier der Königin. Groß
ist nun die Freude in der Residenz des Königs, als unser
tapferer Erzähler eintrifft, denn irrigerweise hält
man ihn für ein weibliches Exemplar. Die gemeinsame Gefangenschaft
der Herren aus Frankreich und Spanien führt aber unglücklicher-
wenn auch logischerweise nicht zu einer Vermehrung ihrer Gattung.
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Eines Tages aber wird findet der Gefangene vor Höflingen und
Priestern Gehör, doch groß ist die Aufregung über
seine Meinung, er käme von der Erde und der Mond... sei nur
ein Mond, denn auf dem Mond herrscht die Meinung, es verhalte
sich genau umgekehrt. Schnell ist ein Urteil gefällt: öffentlicher
Widerruf dieser Ketzerei oder Hinrichtung. Gezwungenermaßen
widerruft unser Held, aber er ist angewidert von derart viel Hochmut
und Unvernunft. Kann es denn wirklich einen Ort geben, an dem
so viel Dummheit herrscht?
Endlich legt der Eichborn
Verlag zum ersten Mal eine im Gegensatz zu früheren, massiv bearbeiteten
Veröffentlichungen, ungekürzte und unbearbeitete Ausgabe von Savinien
Cyrano de Bergeracs (Musketier und Literat mit markantem Riechorgan,
1619-1655) Romanen “Reise zum Mond“ und “Reise zur Sonne“ vor,
wobei der Zweite eine direkte Fortsetzung zum ersten bildet und
leider nur noch als Fragment vorliegt.
Hierbei
handelt es sich um Meisterwerke der frühen phantastischen
Literatur, voller sprühendem Geist, Wortwitz und Sprachgewandtheit
sowie beißendem satirischen Spott auf die zeitgenössischen
Verhältnisse, wie etwa u. a. dem Inquisitionsprozess gegen
Galileo Galilei im Jahre 1633.
Vor diesem geschichtlichen Hintergrund wird erst deutlich, wie
gefährlich für Cyrano seine freidenkerischen Schriften
waren, denn nur allzu oft endete ein Freigeist auf dem Scheiterhaufen.
Erst 1657, zwei Jahre nach dem Tod Cyranos, erschien “Die Reise
zum Mond“ erstmals als Druckausgabe, 1662 auch “Die Reise zur
Sonne“. Die genaue Entstehungszeit der Romane ist unbekannt.
Ein ausführliches Nachwort mit editorischen Notizen, historischem
Hintergrund, biographischen Daten und ein Anhang mit Anmerkungen
runden diese liebevolle Edition ab. Ein Klassiker der Weltliteratur,
der in keiner Bibliothek fehlen darf.
Stefan
Meduna
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