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Disney im Guten und Bösen


 
Autor: Peter Stephan Jungk
Titel: Der König von Amerika
Originaltitel: -
Umfang: 272 Seiten
Format: Taschenbuch
Preis: EUR 8,50
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 3518455109
Website: www.suhrkamp.de    


"Zwar lassen sich zu einigen der Romanfiguren Entsprechungen finden, doch sind die Charaktere und Ereignisse dieses Buches durchweg Schöpfungen des Autors." Dies muss natürlich im Vorwort dieses Buches stehen, denn es handelt von keinem geringeren als von Walt Disney. Dessen Erben haben eine große Rechtsabteilung, die beschäftigt sein will. Vor allem wenn behauptet wird, der Firmengründer fühlte sich zu seiner Adoptivtochter hingezogen und hatte ein außereheliches Verhältnis mit einer Krankenschwester. Erschwerend kommt noch hinzu dass Peter Stephan Jungk ansonsten sehr gut recherchierte Fakten bietet und niemals klar wird wo Realität aufhört und Fiktion beginnt.
 
    
 

In "Der König von Amerika" erzählt ein gewisser Wilhelm Dantine (man achte auf seine Initialen) von seiner Hassliebe zu Walt Disney. Dantine hatte in den fünfziger Jahren als Trickfilmzeichner in den Disney Studios gearbeitet. Als er dagegen protestierte, dass Disney anscheinend nicht wolle, dass der sowjetische Partievorsitzende Chruschtschow sein Disneyland im kalifornischen Anaheim besuche, wurde Dantine gekündigt. Als Grund wurde der finanzielle Misserfolg des Zeichentrickfilms "Dornröschen" angeführt, an dem er maßgeblich mitgearbeitet hatte. 1966 lauert Dantine Disney kurz vor seinem Tode in seiner Villa auf um mit ihm abzurechnen.

Wenn dieser Teil der Geschichte das Ende des Buches gewesen wäre, könnte wirklich von einer Verunglimpfung des wohl größten Märchenonkels der Welt die Rede sein. Doch Jungk platziert die Abrechnung in der Mitte seines Buches und lässt Disney beteuern, dass er es durchaus begrüßt hätte, wenn Chrutschtschow sein "Magic Kingdom" besucht hätte. Er hätte ihm dann nur allzu gerne die Schiffe seiner Unterwasser-Show vorgeführt und ganz lässig sagen können: "Nikita, ich präsentiere ihnen die achtgrößte U-Boot-Flotte der Welt". Ferner plante er auch noch einen Film in dem Peter Ustinov den Parteivorsitzenden spielen und vorbei an KGB und CIA ins Disneyland eindringen sollte.

Den Abschluss von "Der König von Amerika" bildetet schließlich eine ausgiebige Schilderung der letzten Tage Disneys. Auch hier ist völlig unklar wo die Wirklichkeit aufhört und wo das Märchen beginnt. Dies gilt im Guten (möglicherweise hat sich Disney bei Charlie Chaplin dafür entschuldigt, dass er diesen zu Zeiten der antikommunistischen Hexenjagd angeschwärzt hat) wie im Bösen (möglicherweise hat Disney bei seiner Vergnügungspark-Attraktion "Great Moments with Mr. Lincoln" aus einer Rede des populärsten US-Präsidenten Statements gegen die Sklaverei herausgekürzt) und ist nicht unpassend bei einem Buch über den wohl größten Manipulator des 20.Jahrhunderts.

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