"Zwar
lassen sich zu einigen der Romanfiguren Entsprechungen finden, doch
sind die Charaktere und Ereignisse dieses Buches durchweg Schöpfungen
des Autors." Dies muss natürlich im Vorwort dieses Buches stehen,
denn es handelt von keinem geringeren als von Walt Disney. Dessen
Erben haben eine große Rechtsabteilung, die beschäftigt sein will.
Vor allem wenn behauptet wird, der Firmengründer fühlte sich zu seiner
Adoptivtochter hingezogen und hatte ein außereheliches Verhältnis
mit einer Krankenschwester. Erschwerend kommt noch hinzu dass Peter
Stephan Jungk ansonsten sehr gut recherchierte Fakten bietet und niemals
klar wird wo Realität aufhört und Fiktion beginnt.
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"Der König von Amerika" erzählt ein gewisser Wilhelm Dantine
(man achte auf seine Initialen) von seiner Hassliebe zu Walt Disney.
Dantine hatte in den fünfziger Jahren als Trickfilmzeichner in den
Disney Studios gearbeitet. Als er dagegen protestierte, dass Disney
anscheinend nicht wolle, dass der sowjetische Partievorsitzende
Chruschtschow sein Disneyland im kalifornischen Anaheim besuche,
wurde Dantine gekündigt. Als Grund wurde der finanzielle Misserfolg
des Zeichentrickfilms "Dornröschen"
angeführt, an dem er maßgeblich mitgearbeitet hatte. 1966 lauert
Dantine Disney kurz vor seinem Tode in seiner Villa auf um mit ihm
abzurechnen.
Wenn dieser Teil der Geschichte
das Ende des Buches gewesen wäre, könnte wirklich von einer Verunglimpfung
des wohl größten Märchenonkels der Welt die Rede sein. Doch Jungk
platziert die Abrechnung in der Mitte seines Buches und lässt Disney
beteuern, dass er es durchaus begrüßt hätte, wenn Chrutschtschow
sein "Magic Kingdom" besucht hätte. Er hätte ihm dann
nur allzu gerne die Schiffe seiner Unterwasser-Show vorgeführt und
ganz lässig sagen können: "Nikita, ich präsentiere ihnen die
achtgrößte U-Boot-Flotte der Welt". Ferner plante er auch noch
einen Film in dem Peter Ustinov den Parteivorsitzenden spielen und
vorbei an KGB und CIA ins Disneyland eindringen sollte.
Den Abschluss von "Der König von Amerika" bildetet schließlich
eine ausgiebige Schilderung der letzten Tage Disneys. Auch hier
ist völlig unklar wo die Wirklichkeit aufhört und wo das Märchen
beginnt. Dies gilt im Guten (möglicherweise hat sich Disney bei
Charlie Chaplin dafür entschuldigt, dass er diesen zu Zeiten der
antikommunistischen Hexenjagd angeschwärzt hat) wie im Bösen (möglicherweise
hat Disney bei seiner Vergnügungspark-Attraktion "Great Moments
with Mr. Lincoln" aus einer Rede des populärsten US-Präsidenten
Statements gegen die Sklaverei herausgekürzt) und ist nicht unpassend
bei einem Buch über den wohl größten Manipulator des 20.Jahrhunderts.
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