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Der 27jährige Julian Bell, Neffe Virginia Woolfs, begibt sich im
Jahre 1935 nach China, um ein Lehramt als Professor für englische Literatur
anzutreten. Noch ahnt er nicht, dass diese Reise sein Leben und seine
Weltsicht von Grund auf verändern wird…
Von der um acht Jahre älteren, ungemein attraktiven
chinesischen Schriftstellerin Lin fühlt er sich sofort magisch angezogen.
Bald schon verbindet die beiden nicht nur die Liebe zur Literatur, sondern
auch eine leidenschaftliche Affäre. Lins geheime Liebeskünste ziehen Julian
in einen Strudel der Begierde und öffnen für ihn das Tor in eine völlig
neue Welt der Sinnlichkeit. Bald schon aber holt die Realität die Liebenden
ein, und es kommt zum Drama…
In China ist dieser, teilweise auf wahren Begebenheiten basierende, Roman wegen
"pornographischer Darstellungen“ verboten, bei uns können Hong Yings
wahrlich detailreich und ohne Tabus geschilderte Liebesszenen wohl kaum
jemanden schockieren. Trotzdem handelt es sich um ein erotisches
Lesevergnügen der Sonderklasse! Die 1962 in China geborene, heute in
England lebende Autorin schildert das kulturelle Umfeld der Ereignisse und
das China der 30er Jahre in schillernden Farben und ungemein lebendig.
Wiewohl die Ereignisse in dem Roman aus der Perspektive
eines europäischen Mannes betrachtet werden, ist das zentrale
Thema dennoch die Rolle der Frau in China, insbesondere in Bezug
auf sexuelle Selbstbestimmung. Wie schon in ihren früheren Werken
ist es einmal mehr Hong Yings Anliegen, dem interessierten Leser
das Leben und die Kultur in China abseits der bei uns vorherrschenden
Klischees nahe zu bringen, wie immer auf literarisch herausragende
Weise.
Stefan Meduna
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zur Besprechung von Hong Yings "Der chinesische Sommer"
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