Wir befinden
uns im Jahr 1927, politisch sehr bewegte Zeiten für Österreich. Bei
gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Schutzbündlern und Frontkämpfern
im burgenländischen Schattendorf werden zwei unschuldige Passanten
erschossen, ein Invalider und ein kleiner Junge. Der Prozess gegen
die Mörder im Juli desselben Jahres schlägt hohe Wellen in der Öffentlichkeit.
Ganz
anders verhält es sich in dem Mordfall an einem Gemischtwarenhändler,
den Polizei-Oberstleutnant David Bronstein aufklären soll:
wirklich jeder scheint über sein Ableben alles andere als zu
trauern, denn das Mordopfer dürfte ein wirklich widerwärtiger
Mensch gewesen sein. Im Zuge der Ermittlungen beginnt Bronstein
der unbekannte Täter immer sympathischer zu werden. Was dessen
Tat allerdings um keinen Deut legaler macht.
Andreas
Pittler (*1964) hat ungeachtet seines noch nicht sehr fortgeschrittenen
Alters bereits eine schier unüberschaubare Anzahl an Sachbüchern
und Romanen geschrieben, so richtig in die Herzen seiner Leser hat
er sich aber erst mit seinem originellen Serienhelden David Bronstein
geschrieben, dessen zweiter Fall nun mit "Ezzes“
vorliegt. Bronstein ist quasi das Spiegelbild des archetypischen
Wieners schlechthin: immer grantig und am Dauernörgeln, im
Grunde genommen aber ein optimistischer und warmherziger Mensch.
Pittler springt übrigens mit “Ezzes“ in
der Zeit zurück: handelte Bronsteins erster Fall “Tacheles“
im Jahre 1934 zur Zeit des Nazi-Putschversuchs, befinden wir uns
nun im Sommer 1927 zur Zeit des Schattendorf-Prozesses. Noch hat
Bronstein nicht unter seiner jüdischen Herkunft zu leiden,
doch dass dunkle Wolken über Österreich aufziehen, ist
unverkennbar. Wie dunkel die aber noch sein werden, kann zu diesem
Zeitpunkt noch keiner ahnen. Die historischen Details aus der Zeit
der Ersten Republik sind wie gehabt ebenso akribisch recherchiert
wie Wiener Dialekt und Lokalkolorit.
Fazit:
Pittler schafft es mühelos, seinen hochgelobten Bronstein-Erstling
an Spannung noch zu übertreffen, wieder handelt es sich um
einen meisterhaften Kriminalroman verpackt in ein dramatisches Stück
jüngerer Zeitgeschichte. Glücklicherweise sind diese Romane
unter Kennern längst kein Geheimtipp mehr, nichtsdestotrotz
kann man ihnen gar nicht genug neue Leser wünschen.
Stefan
Meduna
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