Lob für den Autor und gleichzeitig Verriss an den deutschen Verlag, wie kriegt man das unter einen Hut? Dieser Roman zwingt mich zu diesem Versuch. Colson Whiteheads Erstlingsroman ist für US-amerikanische Verhältnisse thematisch originell und in sachlich kühlem, ironisch distanziertem Stil, bewusst ohne Effekthascherei geschrieben. Erzählt wird die Geschichte einer farbigen Fahrstuhlinspektorin die zur "Hüterin des Geheimnisses der zweiten vertikalen Revolution" wird. Sie wird der Welt, möglicherweise in einem Folgeroman, den perfekten Fahrstuhl schenken, den sie anhand von aufgefundenen Aufzeichnungen entwickeln wird. Ein kleiner Schlenker ins SF-Genre zum Ende des Romans. Soweit so gut - für die Leser in den USA. Und deutschsprachige Amerikanistik-Studenten,
die den Roman aber im Original lesen müssen.
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Nur,
warum musste dieser Roman auch auf Deutsch erscheinen? Obwohl er
kein Stück auf unsere Verhältnisse übertragbar ist und dadurch für
den Normalleser, der sich nicht mit den spezifischen Problemen der
US-Gesellschaft auskennt, stellenweise völlig unverständlich wird?
Ganz einfach weil deutsche Großverlage immer mehr dazu übergehen,
nach vorverdauter Meinung zu veröffentlichen. Was die Kritiker in
"Newsweek" oder "Times" gelobt haben, wird hurtig
eingekauft, damit die Verlagsverantwortlichen möglichst wenig Risiko
eingehen. Ob der Stoff des Buches auch für deutsche Verhältnisse
taugt, scheint völlig egal, Hauptsache der Schauplatz ist möglichst
exotisch.
In den USA muss das Ding spielen, und nicht im Schwarzwald. Dabei
gäbe es hier genügend Autoren, die sich mit dem aktuellen Hier und
Heute unserer gesellschaftlichen Verhältnisse beschäftigen. Nur
bei "Hoffmann und Campe" kennt diese keiner, weil dort
wahrscheinlich nur "Newsweek" und "Times" gelesen
wird. Hinterher will es dann wieder keiner gewesen sein, wenn "Die
Fahrstuhlprüferin" auf dem Ramschtisch für DM 9,99 verschrappt
wird. Dort sollte allerdings ein Verlagsverantwortlicher liegen
- als preisreduziertes Mängelexemplar mit Strichcode auf der Stirn.
G.
N.
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