Der Junge
kann sich nicht mehr so recht erinnern, wie er in die sagenhafte Welt
von Mythgarthr gekommen ist. Da war dieser Waldspaziergang, der Baum,
der anders war als die anderen Bäume und der Hang, der kein Ende nehmen
wollte und da war dann diese Höhle mit der alten Frau, aber das war
schon in der anderen Welt, vielleicht. Und warum nannte ihn die alte
Frau Able of the High Heart? Es klang wie der Name eines Ritters.
Sicherlich, von Zeit zu Zeit blitzen noch Erinnerungen an sein altes
Leben auf, Amerika, die Schulbibliothek, sein Bruder Ben…, aber die
rätselhaften Welten von Mythgarthr bargen so viele Wunder und Schrecken,
dass all das längst sehr verschwommen und undeutlich geworden ist.
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Den
Jungen verschlägt es in die Hütte des Bauern Bold Berthold,
der ihn gastlich aufnimmt, weil er ihn für seinen verschollenen
Bruder hält. “Sir Able“ bringt es nicht fertig,
ihm diese Illusion zu nehmen, und die beiden werden gute Kameraden.
Die Bekanntschaft mit dem edlen Ritter Ravd und seinem Knappen Svon
und die Zuneigung zu dem Moosmädchen Disiri erwecken in ihm
den Wunsch, auch ein Ritter zu werden. Doch das ist nicht einfach,
wenn einem das Herz gestohlen wurde….
Und Able muss erfahren, dass Mythgartr nur eine von sieben übereinander
gelegenen Welten ist, in denen nicht immer alles so ist, wie es
scheint und in denen wohl alles möglich ist. Das beweist schon
seine Bekanntschaft mit dem sprechenden Wolfshund Gylf, der ihn
von da an begleitet.
Gene
Wolfes (geb. 1931) neuester zweiteiliger Roman The Wizard Knight
hat die Fantasy-Fans gespalten wie kaum ein anderes Werk: von überströmender
Begeisterung bis zu vehementer Ablehnung: kalt gelassen hat das
Buch jedenfalls noch keinen Leser.
Wolfes kräftiger und prägnanter Umgang mit der Sprache
erinnert an alte Sagenstoffe, auch der Kunstgriff, die Geschichte
aus der Perspektive eines “reinen Toren“, eines naiven,
aber gutherzigen und willensstarken Jünglings, zu erzählen
lässt uns an ähnliche mythologische Motive denken.
Wolfes
mitunter verwirrender und zuweilen langatmiger Erzählstil ist sicherlich
nicht jedermanns Sache, wer 08/15-Fantasy erwartet, liegt hier ganz
sicher falsch, auf jeden Fall ist der kontroverse Roman eine der
interessantesten und empfehlenswertesten aktuellen Fantasy-Neuerscheinungen.
Wie immer setzt Klett-Cotta nicht auf seichte Unterhaltung, sondern
auf tiefgründigere Stoffe aus dem Reich der Phantastik. Wolfe zählt
hierzulande immer noch zu den eher verkannten Autoren.
Auf
jeden Fall eine unbedingte Empfehlung für jeden Freund der Fantasy!
Der
Abschlussband des Zweiteilers, "Der
Zauberer" liegt auch bereits vor.
Stefan
Meduna
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