Nicht
nur seine eigenen Eltern nimmt der Leiter des Kulturressorts der
"Welt am Sonntag" aufs Korn; er verreißt ganz allgemein
die 68-er-Generation, mittlerweile bürgerlich geworden, aber
trotzdem nicht ohne Träume.
Selten
ein Buch gelesen, an dem so wenig auszusetzen ist. Mit flotter Schreibweise
und immer mit einem Augenzwinkern vermittelt uns der Autor das Gefühl
dazuzugehören zur Gruppe der 68-er-Kinder. Selbst diejenigen
unter uns, die mit weniger liberalen Eltern aufgewachsen sind und
die den beschriebenen stundenlangen Diskussionen über den richtigen
Umgang mit Alkohol und Zigaretten durch ein simples Verbot entgangen
sind, werden an diesem Buch ihre Freude haben.
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Denn
auch eine konservative Lebenseinstellung hindert rüstige Sechziger
heute nicht an einer Thailand-Reise. Sie werden nur vielleicht nicht
den Rucksack, sondern den Samsonite packen - aber beim lauschigen
Einraumbungalow am Strand bin ich mir schon wieder nicht so sicher
...
Seine eigenen und andere Eltern aus der 68-er-Generation durch alle
Lebenslagen begleitend, zeigt Adriano Sack als kohortentypisch auf,
was wir bis jetzt für völlig normal gehalten haben: dass
Muttern und Vattern kurz nach ihrem Schiurlaub die Mountainbikes
auswintern und sich bei ihren Pilates-Übungen weniger oft ein
Bändchen zerren als unsereins. Eltern, die den Eintritt in
die Frührente gerade noch geschafft haben. Und auf die wir
insgeheim ein bisschen neidisch sind, weil uns der Optimismus gegenüber
unserer eigenen Zukunft mehr und mehr abhanden kommt.
Deshalb
brauchen wir vermutlich das Bewusstsein: auch wenn unsere Eltern
jugendlicher sind als je eine Rentner-Generation zuvor, ihre Macken
haben sie ja doch. Adriano Sack kennt sie alle: die Schwierigkeiten
mit der Technik, ihre Besserwisserei oder ihre Unsicherheit im Umgang
mit unkonventionellen Lebensentwürfen. Denn: selbstverständlich
haben sie in ihrer Jugend für Selbstbestimmung und freie Liebe
gekämpft. Dass sie mit der
Nachricht von unserem Wechsel von einem gegen- zu einem gleichgeschlechtlichen
Partner stolperfrei umgehen können, heißt das aber noch
lange nicht.
Aber
dass wir in unserem eigenen Leben weit größeren Handlungsspielraum
haben, weil die 68-er den Boden bereitet haben, zeigt uns die "Heimreise"
auf höchst vergnügliche Weise.
Christa
Neubauer
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