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Es liegt eine Neuauflage des weithin als konkurrenzlos
geltenden Werkes über die leidvoll präsente Situation in Afghanistan
vor. Hintergründe und Zusammenhänge werden bis weit in die Vergangenheit
vielfältig beleuchtet. Die historischen und politischen Fakten
nötigen dem Leser durchaus Konzentration ab. Umfassende Daten
und Namen fordern seine Aufmerksamkeit Man erfährt einiges über
den Werdegang Osama Bin Ladens. Den besser Informierten mag das
Meiste bereits bekannt sein und deshalb ist seine Geschichte auch
knapp gehalten. Offensichtlich nicht Aufgabe dieses Werkes ist
Bin Ladens Entwicklung mit der Geschichte Afghanistans und der
gesamten Problematik offenkundig verbunden, so dass der entsprechende
Teil Eingang gefunden hat. Einem weniger intensiv mit der Materie
vertrauten, und damit wohl vielen nur allgemein politisch interessierten
Lesern trägt es auch diesbezüglich zur besseren Einsicht bei.
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Darstellungen der nationalen und für die einzelnen, recht
unterschiedlichen Teile Afghanistans landestypischen Gepflogenheiten,
wieder deren Gemeinsamkeiten, Werdegang der herrschenden Führungscharaktere,
ebenso wie Reaktionen und Mentalität der Stämme lassen die Konfliktsituation
in ihrer Vielschichtigkeit nachvollziehbar werden. Dadurch versteht
man alles viel besser. Die allgemein vorhandene Kritik an den
Amerikanern, ihrer Gründe, Haltung, Politik und Vorgehensweisen
wird durch konkretere und klar formulierte Sachlagen verdeutlicht,
wie einem gleichsam so einfache Mechanismen wie die Parteinahme
der Bevölkerung durch simple Lebensverbesserungen zurück in ´s
Bewusstsein gerückt werden. Wer beisst die Hand, die ihn füttert?
Aber auch wenn man nur einen Teil der reinen Information behält,
erfährt man Wichtiges zur Situation in Afghanistan. Viel tiefer
geht die Wirkung: Das Buch bringt uns Afghanistan nahe. Hier kann
man lernen, verstehen, helfen.
Unter Zurücknahme ihrer selbst ohne das eigene Anliegen
und persönliche Engagement ganz zu verbergen, wird eine komplexe
und furchtbare Realität detailliert aufgeschlüsselt, dabei auch
einem unbedarften, aber interessierten Leser entsprochen. Und
mehr: Man wird mitgerissen. Gefesselt drängt man über die Vielzahl
an geographischen und geschichtlichen Inhalten hinweg. Man möchte
wissen, wie es weitergeht. Fasziniert von der Schilderung bekommt
man fast ein schlechtes Gewissen die furchtbare Wirklichkeit der
afghanischen Menschen im Krieg spannend wie einen Abenteuerroman
zu lesen. Vielleicht ist es nur die Blasiertheit des westlichen
Zivilisationsmenschen, der sich im Überfluss verstrickend auch
dieser Fülle flacher Reize bereits überdrüssig sein Alltagsleben
so langweilig findet, dass ihm die Härte der Lebensrealität gepeinigter
Nationen aufregend erscheint. Vielmehr schaffen die Autoren jedoch
diese Authentizität, weil sie an selbst erlebten Beispielen aller
möglichen Beteiligten Situationen schildern, welche reale Eindrücke
gerade wegen ihrer lebendigen Erfahrbarkeit vermitteln. Hier werden
wahrhaftige Ereignisse und die Wirklichkeit lebender Menschen
detailfreudig und bildreich gezeichnet.
Es geht so weit psychologische Momente zu begreifen, wie die Zweifel an der individualisierten Gesellschaft westlicher Zivilisation. Wenn wir selbst uns für gebildet haltende und gewissermaßen in rationaler Vernunft, wie mit rein wissenschaftlicher Information reichlich vorteilhaft ausgestatteten und angeblich aufgeklärten Persönlichkeiten schon Schwierigkeit haben, eine fremde Kultur und Mentalität tatsächlich verständnisvoll zu erfassen, kann man doch nur allzu gut mitfühlen, was die Erfahrungen und Mediendarstellungen unserer Welt bei der afghanischen Bevölkerung trotz allein durch die Not um Hilfe vorhandene Aufgeschlossenheit an Eindrücken bewirken muss. Wie die "Demokratie“ zum Synonym für gebrochene Versprechen, Gewalt und Sittenlosigkeit wird.
Neben dem, was der Mensch aus der uns scheinbar fernen Problematik und den schönen Einsichten in fremde Kultur und individuellen Lebenssituationen, der so anderen und dabei in ihren Wünschen doch nicht so verschiedenen Menschen für sich selbst lernen mag, wird einmal mehr deutlich, wie wenig man sich aus menschlichen Konflikten heraushalten darf und wie schwer es dabei bleibt sich nicht einzumischen. Das heißt selbstlose, uneigennützige Hilfe zu leisten. Anzubieten, zur Verfügung zu stellen und zu stehen, unterstützen ohne eigennützig zu sein und nur verblendet, das zu verfolgen, was man für richtig hält und das Maß zu kennen, um die Würde des Leidenden nicht zu verletzen und seiner eigenen Art und den daraus resultierenden Entwicklungsweisen zu entsprechen. Sowohl um erfolgreich werden zu können, als auch in den Genuss eines stabilen Ergebnisses freier Selbstbestimmung zu kommen. Freiheit bedeutet immer die Freiheit des Anderen. Wie der andere sie verstehen möchte. Freiheit lässt sich eben nicht aufoktruieren.
Den Autoren gelingt das Kunststück Fakten
distanziert zu handhaben und dabei die persönliche Verbundenheit
mit den Menschen, deutlich die eigene Beteiligung klargestellt,
spürbar werden zu lassen. Die Vielschichtigkeit der wirkenden
Faktoren sachlich darzulegen, ohne auf die doch entscheidende
menschliche Teilnahme verzichten zu müssen. Mag man ob der Fülle
der Information überfordert sein, wird diese nie in Frage gestellt
durch mögliche Empfindungen, welche dafür umso sicherer ankommen
und erhalten bleiben. Die Autoren sind nah an der Sache, den Menschen,
im Land und erleben alles selbst, ohne Partei ergreifen zu müssen.
Allein schon in den Danksagungen erfährt man leicht die Intensität
der Recherche und persönlichen Aspekte derselben, wie den „hohen
persönlichen Einsatz“ des Fahrers. Es lässt sich förmlich spüren
wie unmittelbar man mit dem Tode bedroht sein kann.
Trotz dem, was man an Hindernissen erfährt und entgegen aller zitierter Einschätzung von Fachleuten und Beteiligten mündet die Darlegung in eine hoffnungsvolle Aussicht, welche zum Glück nicht minder realistisch bleibt.
Als Krönung finden sich nebst diversen Schwarz-Weiß-Abbildungen im Buch selbst im Druck technisch hervorragende und als Bilddokumente fast romantisch schöne Eindrücke wilder Landschaften, veritablen Talibankämpfern, Hirten und Weiden, von Kabul und Soldaten, traditionelles Brot, verschleierte Frauen auf dem Spaziergang
.
Bei einem im Netz gefundenen VDO-Clip eines
öffentlichen Interviews der beiden Autoren, wenn ich mich recht
erinnere zur Buchmesse im Veröffentlichungsjahr des vormaligen
Originalwerkes spürt man sogleich, wie sie den Wunsch am liebsten
gleich das ganze Buch und vielleicht darüber hinaus zu erzählen
hinter pragmatischen Notwendigkeiten zurücklassen, im Zeitkorsett
und zugunsten einer besseren Fassbarkeit für das Publikum auf
die gerichteten Fragen knappe Antworten bieten, denen der Druck
der viel weitergehenden Erfahrungen dahinter nur zu deutlich angemerkt
werden kann. Nicht zuletzt beantworten sie die im aktuell medientauglichen
Superlativ gefasste Frage nach „dem Wichtigsten“, nach dem, was
Afghanistan ihnen selbst bedeute, was es ausmacht und ihnen gegeben
habe, das zu dem ursprünglichen Titel „Geliebtes, dunkles Land“
geführt hat. Was sie daran liebten? Natürlich wissen die beiden
um den Medienzwang und haben gelernt Dinge knapp und einfach zu
formulieren. Gemeinsam ringen sie einen Moment mit der Fülle ihrer
Teilnahme und münden, den Blick auf vor ihren inneren Augen auftauchenden
Bilder voller Empfindungen, welche hinter diesen wenigen kleinen
Worten stehen müssen, darin, was eine Nation jenseits aller Machtpolitik
und wirtschaftlichen Interessen, jenseits der Gewalt und des Leides
ausmacht, berührt und eint: "Das Land, die Menschen.“
Meine aufrichtige Hochachtung.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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