Echte Literaten sind weltfremde Menschen, die vom richtigen Leben keine Ahnung haben - Vorurteil Nr. 1 und Vorurteil Nr. 2 - mit echter Literatur lässt sich kein Geld verdienen. Dies sagte zumindest immer mein alter Nachbar Dr. Fuld, seines Zeichens Facharzt für innere Krankheiten und ein extrem belesener Mensch mit gewaltiger Bibliothek, leider mittlerweile verstorben.
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Nichts für ungut, Frau Löffler, aber beide Vorurteile treffen auch auf diese Doppelnummer zu. Nein, nicht wegen des dargereichten Inhalts im Magazin, der ist informativ und spannend zu lesen - sondern vielmehr wegen des aufgedruckten Preis-Strichcodes auf der Titelseite. Diese Doppelnummer soll ja, wegen des erweiterten Inhalts für zwei Monate, DM 20.- kosten. Nur der elende Strichcode, mit dem die faulen Buchhändler neuerdings ihre Registrierkassen füttern entspricht nicht der Codierung von DM 20.-, sondern der Codierung von DM 12.-, dem Preis einer Normalausgabe von "LITERATUREN". Wenn die Buch- und Zeitschriftenhändler erst einmal dahinterkommen, dass sie bei jedem unachtsamen Verkauf dieser Doppelnummer nur 12.- DM einnehmen, vom Verlag aber 20.- DM in
Rechnung gestellt bekommen (abzüglich der 30% Gewinnspanne) also einen Verlust von 2.- DM pro Ausgabe machen -- kann das zu üblen Nachspielen führen. Da holt einen dann auch als Literat das richtige Leben ein, weil der Händler ja doch (und sei es auch nur mit Literatur) etwas verdienen möchte.
Aber was weiß schon der Rezensent, seines Zeichens Comic-Zeichner und -Texter. Ein, der widerwärtigen Unkultur der Sprechblasen zugeneigter Mensch, und als solcher wahrscheinlich noch nicht einmal des Lesens mächtig. So hat jeder seine Vorurteile an der Backe. Nun, als Comic-Autor macht man beim Erwerb von "LITERATUREN drei-vier" die nette Buchhändlerin auf den Irrtum mit dem Kaufpreis aufmerksam, zahlt 8 Mark mehr als der Strichcode hergibt, und verabschiedet sich mit Erich Kästners Worten: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!" So sind sie, die Sprechblasen-Künstler. Ein weltoffenes Völkchen, die sehenden Auges durch das Leben schreiten, aber für ihre Werke niemals Literaturpreise bekommen werden.
Genug der Polemik, nun zum Inhalt von "LITERATUREN drei-vier": Schon allein der Titelbericht über "Wer war Shakespeare" rechtfertigt den vollen Kaufpreis. Spannend auf einem Haufen zu lesen, wie sich Spuren in der Literaturgeschichte verschleiern, sogenannte Beweise nur Verdrehungen darstellen und die Wahrheit oft zwischen zwei Fakten (in diesem Fall zwischen zwei unterschiedlichen Persönlichkeiten ähnlichen Namens) liegen. Weiterhin sehr lesenswert Gisela von Wysockis Artikel über Leben und Werk von Marguerite Duras. Über die Duras wird in der Highlightzone auch noch zu berichten sein. Und im ganzen Magazin ist immer wieder kurzweilige Satire eingestreut. "LITERATUREN drei-vier" ist sehr gut gemacht, exzellent geschrieben und das Elfriede Jelinek eine struppige
Promenadenmischung als Lieblingshund hat, macht sie dem Rezensenten (fast) schon wieder sympathisch. Ohne LITERATUREN hätte er´s wahrscheinlich nie erfahren.
G. N.
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