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Mikado ist eine Sammlung von 41 Kalendergeschichten –
so viele wie das Spiel Stäbe hat. Der Titel scheint auf viele
Weisen clever gewählt, den Mikado entscheidet nicht nur die erste
Geschichte, sondern jeder kleinen Erzählung geht eine kleine Bewegung
oder Veränderung voran, die jeden weiteren Zug bedingt.
Mikado ist eine Sammlung von kurzen Szenen in menschlichen Situationen und Beziehungen, Momentaufnahmen frei nach der Chaostheorie, dessen Ende fast immer einen düsteren Raum im Leser hinterlässt. Dass Botho Strauß viel Energie in seine Theaterarbeit gesteckt hat, spürt man beim Lesen, denn jede Geste, jedes Requisit, jedes Wort, trägt die Geschichte voran.
“Zu einem Fabrikanten, dessen Gattin ihm während
eines Messebesuchs entführt worden war, kehrte nach Zahlung eines
Lösegeldes eine Frau zurück, die er nicht kannte und die ihm nicht
entführt worden war.” So beginnt die erste Erzählung. Die
Frage ob man jemanden wirklich kennt, drängt sich auf und jede
einzelne Geschichte verdient etwas Reflektion.
Schocktherapie hat jedoch auch seine Nachteile,
denn bevor das letzte Mikadostäbchen berührt wird, ist man einfach
nicht mehr überrascht. Dies mag jedoch vom einzelnen Lesecharakter
abhängen. Wer wie ich gerne in Geschichten versinkt, der mag Mikado
eher als eine Serie von Quickies empfinden ... nett aber...
Wer jedoch etwas mehr von Botho Strauß in
einem anderen Format erleben möchte, kann im Bayerischen Staatsschauspiel
im Residenztheater “Leichtes Spiel – Neun Personen einer Frau”
sehen.
Turner
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