Die Erinnerungen
des römischen Privatermittlers Marcus Didius Falco an Britannien sind
wahrlich nicht die besten: zu deutlich sind ihm noch die Gräuel der
Entscheidungsschlacht zwischen den Kriegern von Boudicca und dem siegreichen
römischen Heer im Gedächtnis – kein Wunder, hat er als junger Legionär
doch selbst daran teilgenommen. Vierzehn Jahre sind seitdem vergangen,
aber auch die neue Reise in ein nun romtreues Britannien im August
des Jahres 75 n. Chr. mit Familie und Freunden steht unter gar keinem
guten Stern. Prompt stolpert Falco (nunmehr frischgebackener Prokurator)
über einen neuen Mordfall: Gaius Flavius Hilaris, Finanzprokurator
und für Rom und Vespasian ein überaus wichtiger Mann, ist im Brunnen
einer drittklassigen Schenke elendiglich ersäuft worden. Ein Grund
vielleicht auch, den Wein dieses Lokals eher zu meiden, wie Falco
zynisch feststellt. Eines scheint auf jeden Fall klar zu sein: aus
der geplanten Heimkehr nach Rom wird so schnell nichts.
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Hat
der an diverses Ungemach gewöhnte Falco in letzter Zeit zu
viel Glück gehabt? Durch seinen gesellschaftlichen Aufstieg
konnte er nach langer Zeit sogar seine geliebte Patrizierin Helena
heiraten, nunmehr schon zwei Töchter krönen die Liebe
der beiden. Die Glückssträhne konnte ja nicht lange anhalten,
Falco kommt einer Verschwörung auf die Spur, die ihn in die
schmutzigen Gefilde der Politik führt. Und durch die Verwicklung
ranghöchster römischer Kreise in dieses Verbrechen ist
es nun auch sein eigener Kopf, der in höchster Gefahr ist...
In
ihrem vierzehnten Roman um den römischen Detektiv Marcus Didius
Falco und seiner Helena fährt Lindsay Davis düstere atmosphärische
Geschütze auf: selten zuvor war Falco so verbittert und zynisch
– selten zuvor hatte er auch allerdings so viel Ärger
am Hals. Und auch Falcos bester Freund Petronius Longus muss einen
schrecklichen Schicksalsschlag hinnehmen: fern der Heimat empfängt
er die Nachricht, dass zwei seiner drei Töchter an den Windpocken
gestorben sind.
Im Windschatten von Ellis Peters' Romanen um Bruder Cadfael und
Ecos “Der Name der Rose“ sind in den letzten Jahren
die historischen Kriminalromane wie Pilze aus dem Boden geschossen:
kaum eine historische Epoche von Steinzeit bis Edo-Periode, in der
kein Detektiv (ob nun mittelalterlicher Mönch oder Samurai)
ruchlose Mordtaten aufklärt.
Natürlich blieb auch das alte Rom nicht von dieser Entwicklung
verschont, mittlerweile handelt schon eine Vielzahl an Krimis in
der ewigen Stadt: die Romane von John Maddox Roberts, Simon Scarrow
und Lindsey Davis zählen sicherlich zu den bekanntesten. Davis'
Reihe um Falco sticht unter der Vielzahl ähnlicher Romane auf
jeden Fall positiv hervor: sorgfältig recherchiert und ebenso
fesselnd wie humorvoll erzählt weiß die Autorin immer
wieder aufs Neue die Leser zu begeistern. Kontinuität wird
hier großgeschrieben: über viele Bücher hinweg durften
wir die Entwicklung der zahlreichen Stammcharaktere miterleben.
“Mord
in Londinium“ steht den vorangegangenen dreizehn Romanen um
Falco in punkto Qualität auf jeden Fall in nichts nach. Man
muss einfach alle haben!
Stefan
Meduna
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