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Der finstere Hagen von Tronje ist eine Art graue Eminenz am Hof von
Burgund: die Regenten Gunther, Gernot und Giselher sind schwach
und charakterlos und folgen Hagens Rat blind. Einziger Wermutstropfen
in Hagens Leben ist die unerwiderte Liebe zu deren Schwester Kriemhild.
Sowohl diese heimliche Liebe als auch seine Macht werden durch
die Ankunft des legendären Helden Siegfried am Königshof
bedroht. Ein wilder Reigen aus Intrigen, Hass bis hin zum Mord
kommt in Gang… der Untergang der Burgunder ist nicht mehr aufzuhalten.
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An dieser kurzen Inhaltsangabe merkt man bereits,
dass Michael Köhlmeiers “Nibelungen“ kaum mehr sehr viel
mit der klassischen literarischen Vorlage des Nibelungenlieds
zu tun haben. Auch bereits das Nibelungenlied des 13. Jahrhunderts
war zwar “nur“ eine Neuinterpretation alter nordischer Sagen wie
der Saga von Sigurd oder dem Atlilied und zahlreichen weiteren
Einflüssen, und diente selbst im Laufe der Jahrhunderte als
Vorlage für unzählige literarische Neuinterpretationen
wie von Fouquet, Wagner, Hebbel bis hin zu Martin Beheim-Schwarzbach,
Robert Kraft (Krafts „Nibelungen“ sollen noch 2006 als Reprint
in der Edition Braatz und Mayrhofer neu aufgelegt werden) und
Wolfgang Hohlbein (“Hagen von Tronje“).
Man sieht also, dass die unsterbliche Nibelungensage
immer wieder die Inspiration für zahllose Neuinterpretationen
oder gar im Nibelungen-Universum angesiedelte neue Erzählungen
(nur ein Beispiel aus vielen: Bernhard Hennens Romane um Volker
von Alzey) war, eine solche Bearbeitung/Verwendung des klassischen
Stoffes ist also keineswegs verwerflich, sondern hat immer wieder
höchst interessante Werke hervorgebracht. Leider trifft das
auf die Bearbeitung bzw. Simplifizierung des Stoffes durch den
Österreicher Michael Köhlmeier ganz und gar nicht zu:
die Hinzudichtung einer heimlichen Liebe Hagens zu Kriemhild wirkt
überflüssig, und die ständigen anachronistischen
Einschübe wie die Erwähnung von Kartoffeln, Heavy Metal
u. dgl. Wirken eher peinlich denn witzig.
Fazit: Trotz aller inhaltlichen Kritik handelt es sich bei den
“Nibelungen“ um ein immer noch recht kurzweiliges Hörbuch,
Henning Venske liest Köhlmeiers Nibelungenroman mit sanfter
Stimme, aber immer mitreißend. Um jungen Hörern das
klassische Nibelungenlied näher zu bringen ist der gelesene
Text sicherlich ungeeignet, da Köhlmeiers Fassung zu stark
von diesem abweicht, wer aber einfache Hörbuchunterhaltung
sucht, wird mit dieser CD sicherlich nicht unzufrieden sein.
Stefan Meduna
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