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Bis vor drei Wochen glaubte ich fest, "Felidae" sei als Trilogie bei Goldmann
abgeschlossen und mein vierpfötiger Lieblingsdetektiv tragisch
verstorben. Nur um zu meiner großen Freude festzustellen, dass
die Reihe lediglich den Verlag gewechselt hat, und ich es verpennt
hatte. So hatte ich nun innerhalb kürzester Zeit die Gelegenheit,
einen Felidae-Marathon von zwei neuen Romanen zu verschlingen
wie eine hungrige Katze. Felidae V, "Salve Roma!", verdient
es, aus der Reihe mit einer Einzelbesprechung hervorgehoben zu
werden. Denn fast alles ist diesmal anders.
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Francis' Herrchen, der linkische Archäologe Gustav, reist zu
Ausgrabungen nach Rom. Klar, dass Francis, der die Leidenschaft seines
"Dosenöffners" für die Antike teilt, alles unternimmt, um
heimlich mitzureisen. Klar auch, dass
er sich wenige Stunden nach seiner Ankunft in Rom mit der ersten
Katzenleiche auseinander zu setzen hat. Unterstützt von dem bekennend homosexuellen
schwarzen Kater Antonio macht sich Francis an die Aufklärung
einer grässlichen Mordserie, die über ganz Rom verteilt Katzen mit
geöffnetem Schädel und entfernten Innenohren hinterlässt. Francis legt sich
auf der Suche nach dem Täter in den Katakomben Roms mit einem
theosophischen Geheimbund, echten Geheimagenten und letzten Endes sozusagen
mit Frankensteins Enkel an. Dass er alles das überlebt, liegt auch daran, dass
er - eine echte Premiere - beginnt, seinen prophetischen Träumen endlich
einmal zu vertrauen. Vielleicht hat der Segen des Papstes auch etwas damit
zu tun? Denn das "explosive" Finale führt Francis nicht zufällig ins
Herz des Vatikan, den prächtigen Petersdom. Und in all dem Wahnsinn, der um
Francis herum ausbricht, hat er sogar noch Zeit, sich unsterblich zu verlieben,
in eine leibhaftige römische Katzen-Madonna.
"Felidae" ist ein sehr eigenes Universum. Man muss sich darauf
einlassen, wenn man Gefallen daran finden will. Darauf, dass Katzen
sprechen, lesen, im Internet surfen, Fremdsprachen beherrschen (für alle
"Lateiner" bietet das Buch einen echten Leckerbissen, denn
Francis' Liebste spricht es fließend - und ausschließlich). Unwiderstehlich
für jeden, dem so etwas gefällt. Doch mit diesem fünften Band schleichen
sich die ersten Ermüdungserscheinungen ein. Immerhin gelingt es Pirincci
noch jedes Mal, ein neues Thema für seine Romane zu finden. In Band 4 ist
es "Familie", und in Band 5 geht es ganz massiv um die Frage der
individuellen Angleichung zwischen Tier und Tierhalter. Der zwiespältige
Täter hat natürlich ZWEI Tiere, passenderweise. Als Motto ist das
hervorragend eingeflochten in eine recht spannende Handlung. Doch gerade in
den Abweichungen vom bisherigen Schema, die eigentlich für den Erhalt der
Spannung sorgen sollten, wird "Salve Roma!" streckenweise zu vorhersehbar.
Den Täter habe ich bei seinem ersten Auftritt bereits erkannt. Die früher
verworrenen Träume sind diesmal so aufdringlich, dass auch der unerfahrenste
Leser sie fast allein zu deuten weiß. Und da damit ein Großteil des Rätsels
auf der Hand liegt, ist die Ermittlungsarbeit diesmal eher ein wenig lau. Abgesehen
davon kann ich es einfach nicht mehr hören, wenn der 11. September
irgendwie künstlich in Bücher oder Filme hineingezogen wird. Und in diesem
Buch ist es SEHR künstlich. Schade eigentlich.
Nichtsdestotrotz ein schönes und für Fans unverzichtbares Buch, und kein Grund,
sich nicht auf ein Wiedersehen mit dem neugierigsten Detektiv zu freuen,
der nicht daran stirbt. Bin gespannt, wie die "zweite Trilogie"
sich entwickelt.
Samar Ertsey
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