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You’ve been in Afghanistan, I presume?   

 

 

Autor:

Nick Rennison

Titel:

Sherlock Holmes – Eine unautorisierte Biographie

Originaltitel:

Sherlock Holmes. The Unauthorized Biography

Umfang:

728 Seiten

Format:

Hardcover

Preis:

EUR 19,95

Verlag:

Artemis & Winkler

ISBN:

978-3538072466

Website:

www.patmos.de



Sherlock Holmes – noch heute gilt er als König aller Detektive. Aber was wissen wir wirklich über ihn? Sein Chronist Watson hat zwar nicht weniger als 60 Erzählungen um seinen berühmten Freund verfasst, aber selbst ihm gegenüber erging sich der Detektiv über seine Kindheit und Jugend nur in Andeutungen.

 

    

 

 

Der Brite Nick Rennison hat sich nun die Mühe gemacht, die Biographie des Meisterdetektivs nachzuerzählen, anhand der nur bruchstückhaft vorliegenden seriösen Quellen wahrlich kein leichtes Unterfangen. Und doch, trotz der 60 vorliegenden Manuskripte des wackeren Doktors, so muss man sich vor Augen halten, dass Holmes allein in “Der Hund von Baskerville“ von “fünfhundert Fällen von erstrangiger Bedeutung“ spricht, an denen er im Laufe der Zeit gearbeitet hat. Dr. Watsons Aufzeichnungen befanden sich laut eigenen Angaben in einem Schließfach des Bankhauses Cox & Co. in Charing Cross. Diese unschätzbaren Manuskripte dürften jedoch das Bombardement des Bankhauses im Zweiten Weltkrieg nicht überstanden haben. Was immer diese Dokumente an Geheimnissen enthalten haben mögen, für die Nachwelt dürften sie für alle Zeit verloren sein.

 

So rankt sich um die Gestalt des Detektivs eine Vielzahl an Legenden und Halbwahrheiten. Schon zu seinen Lebzeiten erschien ab 1907 in Deutschland die Groschenromanreihe “Aus den Geheimakten des Weltdetektivs“ mit fiktiven (?) und reißerischen Abenteuern eines Holmes, der hier als einigermaßen egozentrisches Großmaul dargestellt wurde (“Komm her und lasse dich fesseln, denn wisse, du hast es mit Sherlock Holmes zu tun“). Dr. Watson und sein Literaturagent Conan Doyle dürften “not amused“ gewesen sein. Und doch, höllisch unterhaltsam war diese Reihe allemal. Und über einen etwaigen Wahrheitsgehalt kann man bestenfalls spekulieren, doch auch Watson stellt Holmes nicht unbedingt als sehr bescheiden dar. “Mein Name ist Sherlock Holmes, und es ist meine Aufgabe, das zu wissen, was andere nicht wissen.“ betont der Detektiv selbst in „Der blaue Karfunkel“.

 

Sind unsere gesicherten Kenntnisse um den Detektiv schon sehr begrenzt, so gilt das auch für seinen Chronisten Watson. Auch bei ihm sind wir bei biographischen Details auf seinen auf kurzen Andeutungen basierenden Spekulationen angewiesen. Als gesichert dürfte gelten, dass der so bieder und treuherzig wirkende Watson eines jener stillen Wasser gewesen sein dürfte, die in Wahrheit sehr tief sind. So erzählt Watson in “Der Flottenvertrag“ quasi beiläufig und ungerührt, dass er seinerzeit seinen Schulkameraden Percy über den Schulhof zu jagen pflegte und mit einer Weidenrute über seine Schienbeine schlug. Der brave Dr. Watson, in seiner Jugend ein wilder Rabauke? Kaum zu glauben. Und doch, die traumatischen Kriegserlebnisse Jahre später in Afghanistan hatten tiefe Spuren in dem jungen Mann hinterlassen. Geläutert dürfte ihn das nicht haben, denn Watson erzählt in “Eine Studie in Scharlachrot“ selbst, dass er nach seiner Rückkehr in London über seine Verhältnisse gelebt habe. Was wir wohl noch alles über den guten Doktor erfahren werden?

 

Ein gesondertes Kapitel widmet sich Holmes’ etwas paranoiden Verhältnis zu seinem Erzfeind Professor Moriarty. War dessen Tod in den Reichenbachfällen gar von Holmes kaltblütig geplant? Denn dass Holmes bei dem Zweikampf als erfahrener Fechter und Boxer dem Professor grenzenlos überlegen gewesen sein dürfte, scheint logisch. Wie bei so vielem liegen auch diese Ereignisse im Dunkeln – vielleicht ist es aber auch besser so.

 

Fazit: Eine Unzahl an Autoren hat sich am Phänomen Holmes mit Plagiaten, Parodien, Pseudobiographien und vielem weiterem mehr bei sehr, sehr schwankender Qualität versucht. Noch ein Holmes-Buch, ist man da versucht zu fragen. Rennisons Holmes-Biographie jedoch darf man unbesorgt zu den guten Werken zählen. Das liebevoll recherchierte Buch macht sicherlich jedem Freund des Meisterdetektivs Freude und ist uneingeschränkt zu empfehlen.
“Wenn man alles Unmögliche ausschließt, so muss das, was übrig bleibt, und sei es auch noch so unwahrscheinlich, die Wahrheit sein.“ So belehrt uns der Detektiv bei Watson bzw. Doyle selbst. Doch für Nachwuchsdetektive wie für Holmes-Biographen ist dieser legendäre Satz nur wenig hilfreich – denn in diesem faszinierenden Universum ist nichts unmöglich.

 

Stefan Meduna

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