Planet
Erde, im Jahre 2010 n.Chr.: Taiwan hat nach einer Volksabstimmung
seine Unabhängigkeit gegenüber Rotchina erklärt. Die Invasion chinesischer
Truppen auf der Inselrepublik steht unmittelbar bevor. Die USA nehmen
den Bündnisfall wahr und treten in den Krieg ein. Atomraketen beider
Supermächte werden gezündet, die Erde steht vor dem Abgrund eines
nuklearen Holocaust. Da geschieht das Unerklärliche: die Raketen beider
Kombattanten verschwinden am Polarkreis im Nichts – der Weltuntergang
ist vorerst abgesagt. Wer hat zugunsten der Menschheit in
das Geschehen eingegriffen? Oder… was?
Magnus
Wittmann, Agent des deutschen Verfassungsschutzes, hat Probleme
ganz anderer Natur: wurde er doch wieder einmal bei der Beförderung
zugunsten eines weiblichen Quotengünstlings übergangen. Diese Sorgen
mögen im Angesicht des Dritten Weltkriegs etwas banal wirken, dennoch
sitzt der Frust bei Magnus tief.
Wer
sind die mysteriösen AIn, von denen Magnus Wittmann bei einem Einsatz
erstmals hört? Sind diese “heimlichen Herren“ nur das Hirngespinst
eines verrückten alten Mannes, oder handelt es sich gar um die mysteriöse
Macht aus dem Eis, die über eine der den Menschen grenzenlos überlegene
Technologie zu verfügen scheint? Magnus wird es früher erfahren,
als ihm lieb ist. Doch die Wahrheit ist viel ungeheuerlicher, als
es sich je ein Mensch hätte ausmalen können...
Der etwas martialische Titel
deutet es schon diskret an, sollten noch Zweifel bestehen, hilft
ein Blick auf den Buchrücken: “Stahlfront“ ist
der sogenannten “military fiction“ zuzurechnen, sozusagen
Kriegsromane in utopischen Gefilden. Nicht jeder Roman dieser Art
ist als simple “Landser-SF“ abzutun, Meisterwerke wie
Joe Haldemans “Der ewige Krieg“ gehören ebenso
dazu wie japanische Anime-Klassiker wie das wirklich großartige
“Robotech“. Robert A. Heinleins Roman “Sternenkrieger“
erfreut sich auch in unseren Breiten spätestens seit der spektakulären
Verfilmung “Starship Troopers“ einiger Beliebtheit.
“Star Wars“ muss ich wohl nicht erst näher vorstellen.
Deutsche Klassiker dieser Art sind K.H.Scheers “ZBV –
Zur besonderen Verwendung“ und auch die frühen Perry
Rhodan - Romane könnte man durchaus dazuzählen, denn die
haben nicht eben mit Bomben, Granaten und anderen unerfreulichen
menschlichen Erfindungen gespart. Mit dem Alter kehrten bei Perry
dann Weisheit und Friedensliebe ein – und leider meist auch
tödliche Langeweile.
Als überzeugter Pazifist und
Ex-Zivi verspüre ich beim Anblick von Uniformen immer ein gewisses
Unbehagen, denn die haben selten etwas Gutes zu bedeuten. Selbst
der Anblick nichtmilitärischer Uniformen wie jener der Feuerwehr
bedeutet immerhin noch, dass wahrscheinlich meine Bude lichterloh
brennt. Militaristisch-martialische Lektüre trifft daher nicht
wirklich meinen Geschmack, trotzdem muss man zugeben, “Stahlfront“
ist flüssig und spannend geschrieben und hat zweifellos das
gewisse Etwas, das gute Unterhaltungslektüre ausmacht. Zudem
ist das Kriegsgeschehen gnadenlos augenzwinkernd überzeichnet.
Ob der durchaus originelle Plot die Leser auf Dauer bei der Stange
halten kann, muss die Zukunft zeigen.
Fazit: Keine Frage, “Stahlfront“
ist irgendwie kultig und wird sicherlich bald viele Fans finden.
Der fiese Cliffhanger am Ende lässt viele Fragen offen, aber
Fortsetzung “Versenkt die Hindenburg!“
folgt.
Stefan
Meduna
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