"Mein
Land hat gelitten unter des Schicksals gnadenloser Hand. Nun herrscht
ein Inferno, wo einst war mein Land.“
(Khagani
Shirvani)
Als
Orson Welles im Jahre 1938 H.G. Wells‘ "Krieg der
Welten“ als Hörspiel adaptierte, war die dramaturgische
Umsetzung des utopischen Romans so lebensecht inszeniert, dass die
Ausstrahlung im Radio zu einer Massenpanik unter der amerikanischen
Bevölkerung sorgte, die allen Ernstes glaubten "Hilfe,
die Marsmenschen kommen!“.
Als
im Herbst 2007 der erste Band der "Military Fiction“
"Stahlfront" (deutsche
Helden kämpfen gegen Aliens) erschien, sorgte das für
ähnliche Reaktionen unter deutschen Intellektuellen, obwohl
der Schreckensruf "Hilfe, die Deutschen kommen!“
ansonsten nur auf Mallorca zur Urlaubszeit zu vernehmen ist.
Torn Chaines‘ überaus
respektloser Umgang mit der "political correctness“ in
diesem SF-Werk führte allerdings dazu, dass sich so mancher
germanophobe Geselle über dessen Erscheinen buchstäblich
rot und grün ärgerte. Torn Chaines war kein dem Zeitgeist
angepasster, sondern ein mehr als nur unbequemer Autor. Und einen
solchen war man in Deutschland wirklich nicht gewohnt.
Obwohl dem Werk also von Anfang an
ein rauer Wind entgegenschlug, geschah das Wunder: wiewohl der Roman
auf der offiziellen Homepage als komplettes E-Book herunterladbar
war, hat es allein der erste Band in der Buchversion bis jetzt auf
drei Auflagen gebracht, die hier vorliegende limitierte Luxusausgabe
ist in gewisser Weise die inoffizielle vierte Auflage. Auch die
bereits als Normalausgabe erschienenen Bände 2 und 3 sollen
in dieser hochwertigen Ausstattung vorgelegt werden. Auf dem schwarzen
Einband prangt auf Vorderseite und Rücken ein silberner Gotenadler
als einziger Buchschmuck, auf Titelbild oder Schriftzug wurde gänzlich
verzichtet, was dem Band eine überaus edle Ausstrahlung verleiht.
Auch das verwendete Papier besticht durch seine hohe Qualität.
Ein bisschen vermisse ich allerdings ein Leseband.
Darüber hinaus gibt es exklusiv
in dieser Ausgabe ein ausführliches Vorwort aus der Feder des
engagierten Verlegers Hansjoachim Bernt, der uns einen interessanten
Blick hinter die Kulissen von “Thule at War“
(so der ursprüngliche Titel) erlaubt. So erfährt man etwa,
dass Herr Bernt als deutschen Titel zuerst “Stahlzeit“
favorisiert hatte. Ich bin ganz froh, dass man davon wieder abgekommen
ist, das erinnert mich denn gar zu stark an “Mahlzeit“.
Auch auf die teils heftigen Reaktionen auf “Stahlfront“
wird eingegangen, und selbst die Frage nach dem “Warum“
bleibt nicht unbeantwortet – auch wenn die Antwort nicht jedem
gefallen dürfte.
Fazit: Das höchst umstrittene
Skandalbuch in einer bibliophil gestalteten Luxusausgabe für
anspruchsvolle Science Fiction-Freunde. Da die (nummerierte) Auflage
dieser Sonderausgabe zum einjährigen Jubiläum auf nur
666 Stück limitiert ist, heißt es rasch zuzugreifen.
Stefan
Meduna
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