Robert Louis Stevenson (1850 - 1894) studierte zunächst auf Wunsch des Vaters Jura, war danach aber gleich als Journalist, und bis zu seinem Tod als freier Schriftsteller tätig. "Die Schatzinsel" (1883) und "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" (1888) sind heute Klassiker und verschafften ihm Weltruhm.
1879
bestieg der schottische Autor in Glasgow ein Auswandererschiff Richtung
New York, um von dort über Chicago nach San Francisco zu seiner
zukünftigen Frau zu reisen. Obwohl er für die Schiffsreise eine
Kajüte gebucht hatte, waren es vor allem die ärmeren Zwischendeckspassagiere,
denen seine Aufmerksamkeit und Sympathie galten. Stevenson schrieb
seine Beobachtungen auf dem Schiff und der anschließenden Zugfahrt
in einem Reisetagebuch nieder, das er später zum vorliegenden literarischen
Reisebericht verarbeitete. Der Anblick von Krankheit, Schmutz und
Entbehrungen waren die ständigen Begleiter seiner Reise.
"Gescheiterte,
desillusionierte Europäer sind es, die den Weg in die Neue Welt
wählen, nicht junge, tatkräftige Eroberer.", so lautete das Fazit
von Stevenson. Sein schonungsloser Bericht vertreibt noch heute
jede romantische Vorstellung von Auswanderungen im 19. Jahrhundert.
Für Stevensons bürgerliche Familie war diese Reise allerdings wenig
standesgemäß. Die drastische Schilderung der Reiseumstände veranlasste
seinen Vater zu einem ebenfalls drastischen Schritt. Er bestach
den Verleger, und so konnte "The Amateur Emigrant" erst nach Stevensons
Tod im Jahr 1896 erscheinen. In der ausgezeichneten Übersetzung
von Axel Monte liegt dieses literarische Zeitzeugnis jetzt zum ersten
Mal in deutscher Sprache vor
Einziges
Manko - die grafische Gestaltung des Schutzumschlages. Mittlerweile
weit verbreitete Unsitte bei diversen Verlagen ist es, sich im internationalen
Ölgemälde-Fundus von Kunstmuseen für geringe Tantiemen
mit Motiven zu versorgen. Man spart sich die etwas höheren
Ausgaben für einen neuen Cover-Illustrator. Gemälde entfalten
ihre Wirkung allerdings erst ab einer bestimmten Größe.
Sie sind völlig kontraproduktiv wenn sie, wie im vorliegenden
Fall fast in Briefmarkengröße, als Cover-Illus verwurstet
werden. Mehr als ein paar Farbkleckse sind da nicht mehr zu sehen.
Eine einfallslose Typografie macht die Sache dann auch nicht mehr
besser. Völlig unverständlich, da die Ausstattung des
restlichen Buches mit Lesebändchen etc. ansonsten tadellos
ist. Da wurde am verkehrten Ende bzw. Anfang gespart. Das öde,
langweilige Cover entspricht in keinster Weise dem lebendigen
Reisebericht von R. L. Stevenson.
G. N.
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