Jean und Avery begegnen sich in einem leeren Flussbett, der ideale Nährboden für ihre Liebe, deren Wurzeln sich mit jeder Erzählung aus ihrer persönlichen Geschichte und Herkunft, tiefer in die Erde eingraben. Mitten in der Wüste verlieren sie jedoch etwas unwiederbringlich. Plötzlich wortlos, verlieren sie auch sich.
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10
Jahre warteten Leser auf ein weiteres Werk von Anne Michaels, deren
Roman "Fluchtstücke" in 30 Sprachen übersetzt
wurde und mit unzähligen Preisen ausgezeichnet wurde. Selten hat
sich in meinen Augen das warten auf einen Nachfolgeroman so gelohnt.
Anne Michaels malt mit Sprache wie mit einem weichen Pinsel auf
die Haut des Lesers. Ihr Thema ist die Liebe in allen Ausprägungen,
ob zwischen frisch Verliebten, lang Verheirateten, Eltern und Kindern,
zwischen Freunden, Fremden und wie diese es schafft Wunden zu heilen.
In ihrem neuen Roman ist nicht nur die zwischenmenschliche Liebe
zentral, sondern auch die Liebe zur Heimat. "Wintergewölbe"
ist eine Geschichte Vertriebener: Umgesiedelte in Kanada, die samt
ihren Häusern einem Staudamm weichen, die Versetzung eines Tempels
und Entwurzlung eines ganzen Tals in Ägypten, die Vertreibung und
Zerstörung des Kriegs in Polen. Alle Charaktere in diesem Roman
verbindet der Verlust, die Unwiederbringlichkeit, die sie wie ein
Schatten begleitet, bis die Erde weich genug geworden ist um den
Schmerz zu begraben.
Diese Geschichte ist nicht ohne Hoffnung, im Gegenteil, egal wie groß das Leid, so hört der Mensch nicht auf zu schaffen, zu bauen, zu pflanzen. Je größer die Not, umso größer wird der Hunger nach von Menschen Geschaffenem.
"Wintergewölbe"
ist Poesie. "Wintergewölbe" ist Weisheit. Kauft
oder leiht es euch, sucht einen stillen Ort, nimmt Taschentücher,
eine Decke und einen Stift für die Lieblingsstellen mit.
Turner
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