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Ein empfindliches Thema


 
Autor: Georg Parlow
Titel: Zart besaitet - Selbstverständnis, Selbstachtung und Selbsthilfe für hochsensible Menschen
Originaltitel: -
Umfang: 247 Seiten
Format: Broschiert
Preis: EUR 21,50
Verlag: Festland Verlag www.festland-verlag.com
ISBN: 978-3950176506



Eine Gruppe von Menschen kommt aus dem Kino, es war ein anspruchsvoller Film. Während die meisten angeregt diskutierend auf ein Beisl zusteuern, bleibt Werner still und verabschiedet sich bei nächster Gelegenheit. Er muss seine Gedanken ordnen, sagt er.

Wenn Romana bügelt, stellt sie leise Musik an. Aber wenn dann das Telefon läutet, muss sie die Musik abdrehen, damit sie sich auf das Gespräch konzentrieren kann.

 
    
 

Zwei Beispiele für Hochsensibilität. Was für eine Minderheit (ca. 15 – 20 Prozent der Bevölkerung ist "betroffen“) völlig selbstverständlich klingt, bewirkt bei der Mehrheit nur ein Kopfschütteln.

Alle Menschen, egal ob mehr oder weniger empfindlich, fühlen sich innerhalb einer bestimmten Bandbreite von Anregung durch verschiedenste Reize am wohlsten. Erhalten sie nicht genügend Anregung bzw. Stimulation, fühlen sie sich gelangweilt und unwohl. Werden sie hingegen von mehr Reizen stimuliert als ihnen lieb ist, so fühlen sie sich überfordert, hilflos oder gar bedroht.

Hochsensible Personen (HSP) erreichen die optimale Anregung schon bei einem Maß an Stimulation, bei dem sich die nicht hochempfindliche Mehrheit noch
langweilt. Wird die Stimulation gesteigert bis zu dem Maß, an dem sich die Mehrheit optimal stimuliert fühlt, sind HSP bereits überstimuliert.

Hochempfindlichkeit ist also ein Minderheitenphänomen. Die Mehrheit diktiert, was „normal“ ist und bestimmt die Rahmenbedingungen. Das klaglose Ertragen und sogar Genießen der Hektik des modernen "Lifestyle“ mit seiner Reizflut, die Überbetonung sich ständig ändernder Banalitäten sowie die Erhebung von Jugendlichkeit, Extravertiertheit und Materialismus zu unantastbaren Götzen ist zum Standard geworden. Kein Wunder, dass sich viele HSP an Plätzen und Positionen befinden, für die sie schlecht gerüstet sind.

Früher wurden Hochempfindliche besonders geschätzt und fanden verschiedenste
Nischen, beispielsweise im Bereich der Kunst oder der Religion. Heute werden sie geduldet und ihnen Einbildung, Neurosen oder schlimmeres zugeschrieben.

Mit seinem Buch will Georg Parlow hochsensiblen Menschen helfen, sich selbst, ihre Eigenheiten und das, was sie von anderen unterscheidet, zu verstehen und anzunehmen.

Unterschiede gibt es beispielsweise in der sinnlichen Wahrnehmung: HSP nehmen Geräusche intensiver wahr und können sich an Lärm oder penetrante Geräusche schlechter gewöhnen. - Können Sie einen tropfenden Wasserhahn akustisch "wegschalten“ oder wird er Sie in wenigen Minuten zum Wahnsinn treiben. Auch feineres Wahrnehmen von optischen Eindrücken zählt dazu. Viele HSP sehen auf den ersten Blick, ob jemand gefärbtes Haar hat, weil die bei jedem Wesen existierende subtile natürliche Harmonie zwischen den Farben von Haut, Augen, Augenbrauen und Haar in einer für sie erkennbaren Art gestört ist.

"Als ich jünger war, konnte ich mich an alles erinnern, egal ob es wirklich passiert war oder nicht“, schreibt Mark Twain. Viele Hochsensible besitzen eine äußerst lebendige und bildhafte Vorstellungskraft. Dies bezieht sich auch auf künftige Entwicklungen. Darum werden nicht hochempfindliche Menschen von HSP mitunter als dumm oder selbstzerstörerisch gesehen, wenn sie – scheinbar – sehenden Auges in ihr Unglück rennen. Weniger angenehm ist allerdings, dass auch Angstauslöser von HSP weit besser vorgestellt werden können.

Hochsensible zeigen auch die Tendenz, in größeren Zusammenhängen zu denken, viel zu reflektieren und zu sinnieren. Sie gelten als eher gewissenhaft, verantwortungsbewusst und haben hohe ethische Standards. Leider machen sie in einer nicht hochempfindlichen Umgebung häufig die Erfahrung, ins Unrecht gesetzt zu werden. Dies bedingt eine größere psycho-emotionale Verletzungsgefahr und bringt Probleme mit dem Selbstwert.

Hilfe zur Selbsthilfe gibt das Buch mit Tipps zum Selbstmanagement. Vom Körperkonzept – Parlow bezeichnet den Körper einer HSP als "Kleinkindkörper“ – über Ernährung und Regeneration bis zum besseren Umgang mit Überstimulation reicht das Repertoire. Auch Partnerschaft und Arbeit/Berufstätigkeit kommen nicht zu kurz. Insgesamt also ein gutes Handwerkszeug für alle Betroffenen.

Christa Neubauer

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