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Schmalznudeln, Plattennadeln und Proletenbagger


 
Autor: Aufbaustudiengang Buchwissenschaft 2005/2006 der Ludwig-Maximilians-Universität München
Titel: Zeitgeister München - Wo Vergangenes lebt
Originaltitel: -
Umfang: 186 Seiten, mit 158 vierfarbigen Fotos
Format: Hardccover
Preis: EUR 19,80
Verlag: A 1
ISBN: 3927743909
Website: www.zeitgeister-muenchen.de   


In gut ausgewählten Worten und Bildern werden lebendige Eindrücke vermittelt von höchst unterschiedlichen Münchner Locations wie z. B. der Gothic-Disco “Nerodom“ oder dem Alten Südfriedhof. Sorry, das war ein eher schlecht ausgewähltes Beispiel. Erzählt wird etwa vom Pferdemarkt in der Zenettistraße, der einst Elefanten verkaufte, aber auch vom Ismaniger Kinogroßplakatmaler René Birkner oder vom Birnbaum in der Au.
 
    
 

Aufgesucht wurden 32 Orte - aber auch Menschen wie der Schäfer im Englischen Garten - die es nicht erst seit gestern gibt und die Erinnerungen angesammelt haben. Dazu gehören auch der älteste Kiosk der Stadt an der Wittelsbacherbrücke (“Besuchen Sie auch unsere Filialen in London, Hongkong und New York) oder die altrosa gestrichene “Hühnerbraterei“-Baracke am Goetheplatz. Ein sehr interessantes Kapitel ist der Viscardigasse am Odeonsplatz gewidmet, die von vielen Münchnern während des Dritten Reiches als “Umweg des Gewissens“ genutzt wurde. An der Ostseite der Feldherrnhalle achteten zwei SS-Wachen äußerst wachsam darauf, ob die vorübergehenden Passanten in Gedenken an die beim Putschversuch von 1923 getöteten Nazis auch ihre Arme zum Hitlergruß erhoben. Wer dies nicht wollte bog vorher ab und daher hieß der schmale Fußweg auch “Drückebergergasse“. Doch die meisten “Zeitgeister“ sind sehr viel weniger gruselig. Wer es z. B. tatsächlich schafft in München – trotz meist eher kleinstädtischer Kneipen-Öffnungszeiten – die Nacht von Freitag auf Samstag durchzumachen, kann sich ab fünf Uhr früh im “Café Frischhut“ alias “Schmalznudel“ am Viktualienmarkt auf frisch zubereitete Ausgezogene freuen.

So werden auch Läden für Puppen, Tonnadeln oder Schraubenwerden beschrieben, genauso wie das Abenteuer Paternoster, das im Baureferat am Sendlinger Tor viele Nutzer des "Proletenbagger" befürchten ließ kopfüber aus dem Tiefgeschoss zurück zu kehren. Das Buch “Zeitgeister München“ stellten Studenten des Aufbaustudiengangs Buchwissenschaft mit soviel Engagement zusammen, dass es ihnen sogar (ganz entgegen dem Zeitgeist) gelang eine kostenfrei arbeitende Druckerei zu begeistern. Der Erfolg gibt ihnen recht, denn das Werk liegt bereits in der zweiten Auflage vor. Ferner ist geplant sich ebenso abwechslungsreich mit den “Zeitgeistern“ anderer Städte zu beschäftigen.

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