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Im September 2006 übernahm
Grant Morrison die monatliche US-Serie Batman mit der Nummer
#655. Direkt im ersten Heft der vierteiligen Story wird ein neuer
Charakter eingeführt: Damian Wayne - ein leiblicher Sohn Bruce Waynes
aus einer Beziehung mit Talia al Ghul, der Tochter von Ra’s
al Ghul. Wie Ra’s al Ghul (geschaffen von Denny O’Neil)
für eine komplett neue Ära des Meisterdetektiven stand, so sollte
wohl auch sein Enkel eine neue Ära einläuten?
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Morrison zündet ein Feuerwerk an
Ideen: Seine Geschichten sind von langer Hand geplant, er stellt
seine unzähligen Figuren sorgfältig auf, um sie bei gegebenem Anlass
ins Geschehen eingreifen zu lassen. Er zieht hier alle Register
seines Könnens – man merkt, dass er sich in der Historie der Figur
Batman bestens auskennt und es ihm sichtlich Spaß macht,
mit ihr zu arbeiten. Er verquickt Altbekanntes (und damit bei Langzeitlesern
sehr Beliebtes) mit neuen Interpretationen und Wendungen – wie eben
zum Beispiel die Liaison von Talia und Bruce und dem sich daraus
ergebenden Nachwuchs, der nun als 10-jähriger erstmals seinen leiblichen
Vater trifft. (Das Baby erblickte 1987 in “Batman: Son of the
Demon“ das Licht der Welt; dt. bei Hethke und Panini)
Und dieser Spross verfügt nicht
nur über außergewöhnliche kämpferische Fähigkeiten, sondern auch
über Moralvorstellungen, die beide Resultat seiner bisherigen Erziehung
durch die besten Kämpfer von Ra’s al Ghuls Mordliga sind.
Und das bietet reichlich Konfliktstoff – mit Batman, Alfred
und natürlich auch mit Robin, dessen Platz er sofort einnehmen
will. Ein Zweikampf auf Leben und Tod zwischen beiden lässt den
Neuen als Sieger hervorgehen; Tim überlebt gerade noch schwer verletzt.
Auch sonst ist Damian in der Wahl seiner Mittel nicht zimperlich:
Ein, bei alten Fans sehr beliebter Charakter – The Spook
(der Spuk aus den guten alten Ehapa-Zeiten!) – wird mal
eben einen Kopf kürzer gemacht!
Keine
Idee ist Morrison zu abstrus um nicht abgefeuert zu werden – er
spielt mit den ihm anvertrauten Figuren, setzt sie neu zusammen,
und lässt sie so erfrischend anders erscheinen. Kreativ kombiniert
er Bewährtes und schafft Neues: So zum Beispiel verwandelt er Ra’s
al Ghuls Ninjakämpfer mit Kirk Langstroms Man-Bat-Serum
in eine schier unbesiegbare fliegende Armee von Flügel- und Schwert
schwingenden Soldaten. Die Dialoge zwischen Vater und Sohn sind
spitz, witzig und voller Sticheleien und versteckter Hinweise.
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Auch
wird mehrmals in der Story auf den Versuch in der Isolationskammer
eingegangen – eine grandiose Geschichte von Bill Finger aus dem
Jahre 1963 “Robin Dies at Dawn“ (US-Batman #156),
die erstmals in Deutschland in der Reihe “Klassiker
der Comic-Literatur“ von der Frankfurter Allgemeinen
erschienen war. Für den wissenschaftlichen Versuch mit der Isolationskammer
damals war ein gewisser Dr. Simon Hurt verantwortlich. Wir erfahren
von einem geheimen Projekt bei der Polizei von Gotham City aus alten
Tagen, bei dem Polizisten durch diverse Manipulationen als Ersatz-Batmen
herausgebildet werden sollten – ein Projekt, das aber ordentlich
daneben ging.
Morrison
lässt uns in US-BATMAN #666 – wie könnte es bei
dieser Zahl auch anders sein!? – einen Blick in eine teuflische
Zukunft tun: Hier ist Damian der Batman von Gotham City
und alte Geschichten (begonnen hier in diesen Seiten!) finden in
dieser (möglichen?) Zukunft ihr Ende...
Die
Zeichnungen von Andy Kubert sind atemberaubend! Sein klarer und
realistischer Strich eignet sich sehr gut zum Flair und Erzählfluss
der Geschichten. Sie sind voller Anspielungen und machen Spaß
beim Betrachten. Wer die Geschichten noch nicht aus der monatlichen
Batman-Serie kennt, sollte sich dieses Buch unbedingt zulegen
– wer sie schon kennt, der sollte nicht die Möglichkeit verpassen,
zusammenhängend alle Hefte noch einmal zu genießen!
Norbert Elbers
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