Wer sich
an seine Klassenfahrten erinnert, denkt weniger an Orte sondern eher
an Momente der ersten Liebe und der vertanen Chancen. Als ATAK alias
Georg Barber an der Hochschule für angewandte Wissenschaften
in Hamburg als Gastprofessor Comic und Illustration unterrichtete,
bat er seine Studenten autobiographische Klassenfahrterlebnisse anonym
aufzuschreiben. Diese wurden dann verteilt und in Comics umgesetzt,
wobei die Jungen-Geschichten von weiblichen Studenten umgesetzt wurden
und umgekehrt.
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Acht dieser Comics wurden zu einem Sammelband zusammengefasst, wobei
das schöne Cover von Mawil gleich für
die richtige Einstimmung zum Thema sorgt. Der Auftakt ist dann etwas
zäh. Arne Bellstorf erzählt
in einem durchaus interessanten Zeichenstil eine eher banale Ansammlung
von Streichen. Bei Inga Dorofeeva scheint die Klasse in die Türkei
gereist zu sein und schläft im Schlafsack am Strand. Die nicht
uninteressante Geschichte scheint eher ein Urlaubserlebnis zu sein.
Judith Drews hingegen versteckt ihre Story irgendwo zwischen “South
Park“-Design und Spielen mit Hintergrundstrukturen.
Doch Line Hoven liefert in ihren holzschnittartigen Stil das erste
Highlight. Genauso war es! Nachtwanderungen, Getuschel von wegen,
da will jemand mit dir gehen und dann die kalte Dusche. Ähnlich
gelungen die ostdeutsche Milieustudie “Ferien im Pionierlager“.
Hier visualisiert Björn Brot ziemlich gekonnt die schon von
Woody Allen geäußerte These, dass das Herz doch ein sehr
flexibler Muskel sei. Die letzten drei Geschichten sind dann wieder
eher durchschnittlich: Gosia Machon ist mehr am Stil als am Inhalt
interessiert, Pascal D. Bohrs naiv-funktionalen Figuren haben ihre
Momente und Gregor Wiggert setzt in Artwork und Erzählung noch
etwas tappsig auf Realismus. Insgesamt ist “Klassenfahrt“ eine abwechslungsreiche
Angelegenheit und einige der im Band vertretenden Comic-Newcomer
werden garantiert noch für weitere Überraschungen sorgen.
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