Nachdem
er sich in “Der Aufschub“ und
in “Von Dieben und Denunzianten“
Geschichten vor dem Hintergrund des von Deutschen besetzten Frankreichs
im Zweiten Weltkrieg erzählte, geht Jean-Pierre Gibrat in seinem neuesten
Werk noch etwas weiter zurück in der Zeit. Das Elend der Frontsoldaten
des Ersten Weltkriegs kann im Medium Comic schwerlich noch eindringlicher
als in Jacques Tardis Comics wie “Grabenkrieg“
oder “Soldat Varlot“ dargestellt
werden. Dessen scheint sich auch Gibrat bewusst zu sein und sein Comic
setzt andere Akzente.
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Äußerst
sensibel wird erzählt, wie der Titelheld Mattéo darunter leidet,
dass er nicht mit den jungen Franzosen in den Krieg ziehen muss,
da er gebürtiger Spanier ist. Die Bevölkerung des kleinen Dorfes
in Süden Frankreichs schneidet den jungen Mann und die von ihm angehimmelte
Juliette wendet sich noch stärker einem Nebenbuhler zu, der als
Offizier in den Krieg zieht. Mattéo erhält zwar eindringliche Briefen
seines Freundes Paulin, der ihm den Horror an der Front schildert
und ihm schreibt, dass er “wirklich saudumm“ wäre, wenn
er nicht da bleiben würde, wo er gerade ist. Dennoch meldet Mattéo
sich schließlich freiwillig, was ein Freund der Familie recht treffend
kommentiert: “Du hast recht, melde ich! Die großen Dummheiten
muss man als Junge machen, damit man sie sein ganzes Leben lang
bedauern kann… wenn sie Dir dazu die Möglichkeit geben…“
Auch Jean-Pierre Gibrat schildert den alltäglichen Wahnsinn
des Krieges äußerst plastisch in Bild und Wort (“Die
martialischen Truppen, die stolz im Gleichschritt auf dem Pflaster
aus der Kaserne marschierten waren weit weg. Das hier war nur noch
ein schwankender total fertiger Haufen Hampelmänner, deren
Glieder kraftlos herunterhingen.“) Doch fast noch stärker
ist er daran interessiert, was der Krieg mit den Überlebenden
anrichtet. Der zum Glück nur leicht verletzte Mattéo
und der durch Senfgast erblindete Paulin werden nicht mehr heimisch
in ihrem Dorf. Der junge Spanier sehnt sich schon beinahe zurück
an die Front, doch seine Mutter hat andere Pläne mit ihm...
Gibrat
erzählt seine Gesichte in stimmungsvoll mit Aquarellfarben
kolorierten Bildern und bevölkert sie mit glaubhaften Charakteren.
Der Auftakt von “Mattéo“ macht äußerst
gespannt auf die Fortsetzung.
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