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J. M. Straczynski scheint sich im Comic-Milieu so richtig wohl zu
fühlen. Während er als Schöpfer der kultisch verehrten
TV-Serie “Babylon 5“
ständig mit dem hohen Quotendruck der Sender und dem übermächtigen
Rivalen “Star Trek“ zu kämpfen hatte, arbeitete er sich in
der Comicbranche innerhalb kürzester Zeit zum Superstar hoch.
Nach dem Erfolg der von ihm getexteten “Top Cow“-Serien “Rising
Stars“ und “Midnight Nation“ bekam er sofort von Marvel den
Auftrag “Spider-Man“ zu
schreiben.
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Doch damit ist Straczynski, der als erster TV-Autor
eine komplette Serienstaffel im Alleingang schrieb, noch lange
nicht ausgelastet. Für das Marvel-Erwachsenen-Label MAX ("Cage",
"Punisher Born", "Thor
- Vikings") nahm er sich eine alte Heldentruppe aus dem
Archiv des Verlages vor und erzählte mit diesen (ähnlich
wie er es zuvor schon in “Rising Stars“ und Alan Moore in "Watchmen"
getan hatte) wie es wäre, wenn es tatsächlich
Superhelden gäbe. Erstmals bei MAX sind es weniger Sex und
Gewalt sondern die Inhalte die erwachsen daher kommen. Straczynski
hat seine Geschichte fest in die US-Realität eingebettet
und Präsidenten wie Carter, Bush (der Erste) oder Clinton
kochen mit den Superhelden ihr persönliches politisches Süppchen.
Für zusätzlichen Realismus sorgen dabei die Zeichnungen
des genialen Gary Franks, der schon bei “Midnight Nation“ der
ideale Komplize von Straczynski war.
Die Hauptfiguren haben dabei frappierende Ähnlichkeit
mit den Superhelden von Marvels Konkurrenten DC. “Hyperion“ ist
wie “Superman“ ein Außerirdischer, der als kleiner Junge
auf der Erde landet und über zahlreiche Superkräfte
verfügt. “Whizzer“ ist wie “Flash“ der schnellste (und vielleicht
auch leichtfüßigste) Mensch der Welt. Genau wie “Batman“
ist “Nighthawk“, nachdem Verbrecher seine Eltern töteten,
zum verbitterten Rächer ohne Superkräfte geworden und
wohl auch dadurch die interessanteste Figur der ganzen Serie.
Bei Straczynski ist “Nighthawk“ ein schwarzer Unternehmer,
dessen Eltern von Rassisten umgebracht wurden und der sich “Malcolm
X“-mäßig nur für Afro-Amerikaner einsetzt, was
natürlich zu Problemen mit dem naiven “Hyperion“ führt.
Auch die Verantwortlichen bei Marvel haben das Potential der Figur
entdeckt und unter dem Titel “Supreme Power: Nighthawk“ erlebt
der maskierte Rächer sein erstes Soloabenteuer. Hierfür
hat sich Daniel Way ziemlich harten Stoff ausgedacht und konfrontiert
“Nighthawk“ mit einem Wahnsinnigen, der im Clown-Outfit (!) ganz
Chicago mit einem selbstentwickelten tödlichen Gift umbringen
will. Steve Dillon (“Preacher“, “Punisher")
ist natürlich die erste Wahl für eine derartige Gewaltorgie,
die so voller kranker Einfälle steckt, dass einmal sogar
der hartgesottene Nighthawk in seine Maske kotzen muss. Insgesamt
geht von diesem Comic eine ähnliche Faszination wie von den
besseren Werken eines Garth Ennis.
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