Wir alle kennen sie, die Bilder unseres vergangenen Jahrhunderts. Die negativen wie die positiven Augenblicke in unserer Geschichte, in Fotos und Filmen festgehalten. Durch Giftgas getötete Soldaten des 1.Weltkriegs. Der Massenmord der Nazis. Ein junges Mädchen, durch US-Napalm verbrannt, schreiend eine Straße in Vietnam entlanglaufend. Sigmund Freud in Wien neben seiner Couch sitzend, in die Psyche des Tieres Mensch eindringend. Marlene Dietrich als heruntergekommene Hure, im Rotlicht einen verführerischen Engel spielend. Die erste Mondlandung. Die Hippie-Generation die versuchte, einen anderen Weg zu gehen und oft nur den Drogentod fand. Ikonen unserer Zeit, manchmal auch direkt mit unserem ganz persönlichen Schicksal verbunden.
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Mit
all diesen Bildern hat der belgische Zeichner und Texter Yslaire
jetzt eine grafisch hervorragende Geschichte gestaltet. In Brüssel
erhält die 99jährige Psychoanalytikerin Eva Stern eines Tages anonyme
Emails mit den Bildern der Jahrhundertereignisse. In diesen Bildern
taucht immer wieder ein rätselhafter Engel auf, der wie ihr im ersten
Weltkrieg verschollener Bruder Frank aussieht. Auch Lucienne, die
vietnamesische Praktikantin von Eva Stern, hat bald darauf eine
Email auf ihrem Schirm. Es beginnt das Erforschen längst verdrängter
Ängste und Sehnsüchte der Protagonisten und auch der des Lesers
und Betrachters.
Einziges Manko an dieser Erzählung,
ist die mangelnde textliche Tiefe von Yslaire. Als grafischer Mensch
bewegt er sich nur an der Oberfläche der bekannten Bilder. Ein guter
Texter hätte mit der Fülle an Stoff sicher eine bessere Geschichte
erzählen können. Ein zweiter Teil zu "Der XX.Himmel" könnte
dies vielleicht beheben. Trotzdem ist der Band sehr empfehlenswert,
stellt er doch eine erste Annäherung an die Gesamtaufarbeitung unseres
vergangenen Jahrhunderts dar.
G. N.
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