Selbst Disney-Chef Michael Eisner gibt
unumwunden zu, dass erhebliche Fehler bei der Planung seiner am 12. April 1992
eröffneten europäischen Vergnügungspark-Filiale in der Nähe der
französischen Hauptstadt gemacht wurden. Schon der zunächst gewählte Name
"Euro Disneyland" erwies sich als nicht sonderlich
sympathieheischend und wurde schließlich durch "Disneyland Paris"
ersetzt. Ein großes Problem war sicher auch, dass Disney rund um den Park
auch noch gleichzeitig sieben gewaltige Hotels eröffnete. Der Konzern glaubte
jeder Besucher würde sich gleich einige Tage im Bereich des Parks
einquartieren und nur manchmal einen kurzen Abstecher in die schillernde
Metropole an der Seine unternehmen. Leider ist eher das absolute Gegenteil der
Fall, denn die meisten Paris-Besucher denken nicht einmal im Traum daran auch
nur einen Tag ihres Aufenthaltes im Disneyland zu verbringen. Im Gegensatz zu
den schwach frequentierten Disneyland-Hotels (meist war nur wenig mehr als die
Hälfte der Zimmer belegt) lagen die Besucherzahlen des Parks aber trotzdem
durchaus im grünen Bereich.
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Während die Eröffnung des ersten Disneylands
im kalifornischen Anaheim am 17. Juli 1955 nur knapp an der Katastrophe
vorbeischlitterte (damals waren große Teile des Parks noch gar nicht
fertiggestellt), konnten die Attraktionen in Disneyland Paris von
Anfang an voll überzeugen. In keinem Disneyland auf der Welt gibt
es eine perfektere "Phantom Manor"-Geisterbahn und nirgendwo
haben die sich perfekt animatronisch bewegenden "Piraten der
Karibik" eine größere Lagune. Bei "Star Tours" besteigt
der Besucher einen Simulator, der auch 10 Jahre nach seiner Inbetriebnahme
technisch kein bisschen technisch überholt wirkt und wie am ersten
Tag erschüttert. Dadurch ist es möglich aktiv an George Lucas "Krieg
der Sterne" teilzunehmen. Das Rundumkino "Visionarium"
hingegen präsentiert zunächst Paris zur Zeit der Weltausstellung
von 1900 und schickt von dort aus Michel Piccoli als Jules Vernes
auf eine turbulente Zeitreise in unsere Gegenwart. Nach und nach
wurde der Park dann zusätzlich noch um weitere Attraktionen ergänzt,
etwa die liebevoll nostalgisch ausgestattete Achterbahn "Space
Mountain", die sogar die Plakette des Kanonenclubs von Baltimore
trägt, der in Jules Vernes Roman "Die Reise von der Erde zum
Mond" ermöglicht.
Direkt vor den Toren des Parks befindet sich außerdem noch "Disney
Village" eine Ansammlung von Kinos, Discos, Geschäften und
Restaurants inklusive einer Filiale der bankrotten "Planet
Hollywood"-Kette. Hier kann der Besucher außerdem für 50 Euro
Eintritt zweimal am Tag "Buffalo Bill´s Wild West Show"
erleben. Speisen und Getränke sind dabei inklusive, denn es handelt
sich hierbei um eine sogenannte Dinner Show. Das Prinzip so einer
Veranstaltung lautet: Ohne das im Preis enthaltene Essen (Hühnchen,
Rippchen, Maiskolben etc.) wäre die Show (Hühner, Cowboys, Bisons
etc.) nicht der Rede wert und ohne die Show wäre das Essen nicht
der Rede wert. Um diesen nicht gerade kleinen Vergnügungskomplex
(und natürlich die sieben Hotels) auch weiterhin am Leben zu erhalten
wurde nun ein zweiter Park eröffnet.
Auch dem klassische Disneyland in Anaheim wurde kürzlich mit "Disneys
California" ein zweiter Vergnügungspark zur Seite gestellt.
In Orlando, Florida hingegen gibt es mittlerweile sogar vier Disney-Parks:
"Magic Kingdom" (das klassische Disneyland), "Epcot"
(eine permanente Weltausstellung mit perfekt nachgebauten Städten
aus aller Welt), der Zoo "Animal Kingdom" und die "Disney
MGM Filmstudios", die auch eröffnet wurden um sich von den
ebenfalls in Orlando befindenden "Universal Studios" nicht
die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Im März dieses Jahre wurde
"Disneyland Paris" nun ebenfalls um so ein Filmstudio
ergänzt.
Wie bei vielen Vergnügungsparks zum Thema Film - sei es "Warner
Brothers Movieworld" in Bottrop-Kirchhellen oder die "Bavaria-Filmstudios"
in München - wird auch hier dem Besucher vorgegaukelt wird, er bekäme
einen Blick hinter die Kulissen einer Filmproduktion geboten. Doch
in Wirklichkeit entstehen an diesen Orten bestenfalls TV-Produktionen
und die Film-Kulissen sind nur Attrappen. So ist auch bei Disney
die "Studio Tram Tour" lediglich ein Fake, denn auf dem
Parkgelände bei Paris ist bisher noch kein einziger Film entstanden.
Trotzdem gibt es natürlich die obligatorischen Explosionen und Überschwemmungen
zu sehen, die dabei für die deutschen Besucher von Nastassja Kinski
kommentiert werden.
Wesentlich interessanter ist da schon die "Moteurs Action!-Show".
In südfranzösischen Kulissen - hier moderierte kürzlich Thomas Gottschalk
"Wetten Dass" - findet hier eine rasante Verfolgungsjagd
mit Fahrzeugen des Sponsors Opel statt, die schlüssig belegt, dass
die französischen Cascardeure zu den Besten ihres Faches gehören.
Auch die Präsentation "Art of Disney Animation" weiß in
ihrer Mischung aus Präsentation der Geschichte des Zeichentricks,
Blick hinter die Kulissen und Vorschau auf künftige Disney-Filme
durchaus zu gefallen. "Animagique" hingegen, eine etwas
kitschige Schwarze Theater-Show mit Disney-Figuren, ist eher Geschmackssache.
Leider eine ziemliche Enttäuschung ist der "Rock´n Roller Coaster",
bei dessen Planung angeblich die Band "Aerosmith" mitgewirkt
hat. Hier kann nur die Beschleunigung am Anfang der Achterbahn-Fahrt
überzeugen, ansonsten bleibt es bei Standart-Gekurve im Düsteren.
Ähnlich ist es mit Armageddon Special Effects. Hier wird die schon
etwas längere Wartezeit keineswegs durch ein angemessenes Spektakel
entlohnt. In den Kulissen einer russischen Raumstation wird dabei
mit mäßigen Erfolg noch einmal der Meteoriten-Einschlag aus dem
Bruce Willis-Blockbuster nachgestellt.
Der Höhepunkt des Parks ist zweifelsohne die "Cinémagique"-Show.
Hier gerät in einer beeindruckende realisierten Mischung aus Live-Darbietung
und Filmvorführung ein von Martin Short (auf der Leinwand) dargestellter
Besucher mitten in eine Zeitreise durch die Filmgeschichte. Dabei
verliebt er sich dabei in die liebliche Julie Delpy. Insgesamt kann
der Park ganz im Gegensatz zum ebenfalls frisch eröffneten "Disneys
California" bisher noch nicht voll überzeugen. Unter der Woche
ist für den Besuch aller Attraktionen der Walt Disney Studios lediglich
ein halber Tag erforderlich. Das wird sich sicherlich ändern, wenn
dort in nächster Zeit weitere Shows eröffnen. Daher gibt es zur
Zeit zum Glück ab 17 Uhr die Möglichkeit mit der selben Eintrittskarte
auch noch Disneyland Paris besuchen zu dürfen.
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