Aber schön war es doch

 

 

Filmtitel:

Hilde

Originaltitel:

-

Land, Jahr:

D 2009

Regie:

Kai Wessel

Buch:

Maria von Heland

Produzent:

Judy Tossell, Jens Meurer, Fred Breinersdorfer

Musik:

Martin Todsharow (hier geht´s zur Besprechung des Soundtracks)

Darsteller:

Heike Makatsch, Monica Bleibtreu, Michael Gwisdek, Johanna Gastdorf, Dan Stevens, Hanns Zischler, Anian Zollner, Trystan Pütter, Sylvester Groth, Roger Cicero

Länge:

120 min

Website:

www.warnerbros.de



Wenn am Anfang der Parodie Walk Hard der ebenso legendäre wie fiktive Musiker Dewey Cox (John C. Reilly) vor jedem Auftritt sein komplettes Leben gedanklich Revue passieren lässt, zeigt dies, dass es für die erfolgreiche Inszenierung von Filmbiografien berühmter Musiker bereits unumstößliche goldene Regeln gibt. Genau wie in James Mangolds Walk Hard oder in Olivier Dahans Edith-Piaf-Biopic La Vie en Rose bildet auch bei “Hilde“ ein wichtiges Konzert der nicht mehr ganz jungen Hauptfigur die Rahmenhandlung für eine Ansammlung von Rückblenden.

 

    

 

Dieser Kunstgriff funktioniert auch diesmal bestens. Den Reigen von Rückblenden eröffnet ein Blick auf die noch sehr junge ehrgeizige Hildegard Knef (absolut glaubhaft: Heike Makatsch) des Jahres 1943, die unbedingt beim Film Karriere machen will. Basierend auf Knefs Autobiografie “Der geschenkte Gaul“ erzählt eine interessante Sequenz, wie die Hauptfigur auf eine Privatparty des Filmmanagers Ewald von Demandowsky geht. Dabei trägt sie genau jenes Kleid, das in einer anschließenden Filmvorführung des Hans-Albers-Films “Große Freiheit Nr. 7“ auch die Hauptdarstellerin Ilse Werner auf der Leinwand trägt. Von Demandowsky bricht mitten im Film die Projektion von Helmut Käutners Meisterwerk ab und führt aus, dass “gut gemachte“ aber tendenziell bedenkliche “Filme wie dieser“ nichts in deutschen Kinos zu suchen haben. Die junge Knef verfällt dennoch dem Charme des verheirateten Parteibonzen Demandowsky und zieht in dessen Villa “Große Freiheit Nr. 7“.

Große Aufmerksamkeit widmet der Film “Hilde“ auch der Entnazifizierung seiner Hauptfigur, wobei der nach Deutschland zurückgekehrte Produzent Erich Pommer (Hanns Zischler) zu ihrem väterlichen Mentor wird, sowie dem ersten Ausflug nach Hollywood. Dort war die ehrgeizige Schauspielerin durch einen Vertrag mit dem “Vom Winde verweht“-Produzenten David O. Selznick zum Warten und Nichtstun verdammt. Im Schweinsgalopp folgt dann der Skandal um den ultrakurzen Nacktauftritt in Willi Forsts “Die Sünderin“, der anschließende Erfolg im internationalen Filmgeschäft und am Broadway sowie die Liebesgeschichte mit dem jungen Briten David Cameron.

Eine weitere goldene Regel für Filmbiographien ist, dass der Film – siehe Tim Burtons “Ed Wood“ oder Michael Manns “Ali“ – zum richtigen Zeitpunkt mit dem Erzählen aufhören, also genau dann wenn es für die Hauptfigur am Schönsten war. Bittere Enden taugen allenfalls für einige knappe Texttafeln vor dem Abspann. Daher gipfelt beim Film “Hilde“ die Ansammlung von Rückblenden schließlich in einem erfolgreichen Auftritt, den die Knef in der Berliner Philharmonie im Jahre 1966 vor ausverkauften Hause absolvierte. Hier singt Heike Makatsch in einer interessanten Mischung aus Imi- und Interpretation den wohl bekanntesten Knef-Song “Für mich soll´s rote Rose regnen“ singt. Die darauf folgende Standing Ovation erscheint durchaus nachvollziehbar.

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