Auch anerkannten Wunderkindern wird nur eine sehr kurze Schonzeit eingeräumt. Kaum hat er ein Riesenbudget, eine Bombenbesetzung und ein fesselndes schlüssiges Drehbuch, das seine mit allerlei kulturbeflissenen Ballast beladenen Shakespeare-Adaptionen ganz schön alt aussehen lässt, schon wird der bedauernswerte Kenneth Branagh zum Abschuß frei gegeben.
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Dabei hat er - ganz anders als bei
seinem Hollywood-Debüt “Schatten der Vergangenheit" -
doch wirklich alles richtig gemacht. Aus dem etwas wirr zusammengeschusterten
(dem Monstrum nicht ganz unähnlichem) Roman wurde ein packender
Film, der von Anfang bis Ende voll aufdreht und alle Register zieht.
Prompt steht die Filmkritik ratlos dar und lobt ganz wie Pawlowsche
Hunde routinemäßig die Leistung von Robert de Niro (AZ
München: “sensible Darstellung", Süddeutsche:
“Er wirkt so menschlich wie nie zuvor", Spiegel: “Hohe
Kunst"). Dabei hätte man so ziemlich jeden Darsteller
unter dem Haufen Make Up verstecken können.
Branagh hingegen hält man diesmal mit der Doppelfunktion Hauptrolle
und Regie für hoffnungslos überlastet (AZ: “Schauspieler
Branagh übervorteilt in einer hitzigen One-Man-Show den Regisseur
Branagh"). Am originellsten ist mal wieder der Spiegel:
“Ein großer Dichter hat einen kleinen Auftritt (...) Wer
ihm in die Quere kommt, den schnauzt Schiller an: “Passen Sie doch
auf, wohin ich gehe." Genau das ist die Geisteshaltung des
Films." Also, ich werde trotzdem weiterhin gerne aufpassen
wohin Branagh geht.
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