Für jeden Krieger kommt die Zeit, innezuhalten und der Opfer
und Triumphe zu gedenken. Das Geschehene zu würdigen, egal, wie
es aussah. Dass Hans Söllners
neues Album erstaunlich besinnlich und leise daherkommt, kann ich
deswegen nicht so sehen, als sei er von den letzten harten Urteilen
gegen sich und seine Musik gebrochen oder zum Schweigen gebracht worden.
Ebenso wäre es wohl ungerecht, ihm zu unterstellen, er sei "endlich
klug" geworden, weil er diesmal nicht expressis verbis namhafte
einheimische Politiker beleidigt. Denn Dummheit konnte man ihm nie
vorwerfen.
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Wenn
man sich "Owei I" anhört, so ist unser bayrischer
Rebell und Vorkämpfer weder sich noch seiner Sache untreu geworden.
Er hat sich nur einmal umgedreht und auf das geblickt, was im Kampf
hinter ihm liegt. Er zieht Bilanz, und es tut gut, sich anzuhören,
was er zu sagen hat. Denn egal, was man ihn schon gescholten hat,
ob "krankhaft" oder "Quertreiber", Hans Söllner
straft sie alle lügen. Die liebevolle Art, in
der er seiner Tochter und einem dahingegangenen Freund Lieder gewidmet
hat zeigt, dass er sich sehr wohl anderer Menschen bewusst ist.
Groß
ist der Schatz an Gefühlen, die er uns diesmal offen legt,
wo früher hauptsächlich sein "heiliger Zorn"
zu spüren war. Mutig stellt sich der bayrische Rastafarian
seiner Trauer über das, was er verpasst hat. Aber auch Fans
des wütenden Hans Söllner kommen auf diesem Album zu ihrem
Recht. Es weht jedoch mehr ein Wind als der bekannte Orkan. "A
Drecksau is a Drecksau, Namen san egal" ist das neue Motto,
und wenn dann hin und wieder doch ein Name fällt, dann einer,
den schon ganz andere im Munde geführt haben.
Wenn
unserem rebellischsten Volksmusiker zu glauben ist, so ist er in
gewisser Weise müde geworden. Müde, immer die Zielscheibe
zu sein, müde, dass immer er ("Owei I") herhalten
muss. Nun, diesmal hat er es hoffentlich geschafft, die gefährlichen
Klippen sicher zu umsegeln. Nach all den Anfeindungen, denen der
Söllner Hans bisher ausgesetzt war, höre ich "Owei
I" mit einer gewissen Beruhigung. Nicht, dass ich mir allzu
große Sorgen um ihn gemacht habe, aber ich gönne ihm
von Herzen seinen Frieden. Und wenn ich mir seine neuesten Lieder
so anhöre, dann glaube ich, dass er ihn ein Stück weit
gefunden hat. Und wünsche ihm aufrichtigst "Peace!"
Samar
Ertsey
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