Alice
Cooper, der seinen weiblichen Künstlernamen angeblich per Blätter-Fingerreintipp-Zufallsmethode
aus dem Telefonbuch hat, ist eine der All-Time-High-Legenden der
Rockgeschichte, welche ohne eine der absoluten Megaspitzen wie Zeppelin,
Stones, Purple
usw. geworden zu sein, sich einen eigenen, unumstößlichen Platz
im Olymp der Rockhelden verdient hat. Dabei half womöglich sein
sehr spezifisches Gesamtkunstwerk, eines der weithin bekannt populären
und damals sehr extravaganten Markenzeichen waren seine Liebesspiele
auf der Bühne mit Riesenschlangen, welches aber genau so gut einer
breiten Zuhörerschaft als zu abgefahren hätte verschlossen bleiben
können. Fakt ist Alice Cooper erfindet sich mit jedem Album neu
und bleibt sich trotzdem treu. Wenn ich mich nicht täusche tritt
er sogar noch auf.
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1973
erschien das spektakuläre "Billion Dollar Babies“ in der
damaligen Vinyl-Version mit einem aufwendigen Cover, welches durch
metallic-grün schimmernde Prägungsoptik eine Schlangenledergeldbörse
imitierte, die mit einer das Konterfei eines mit Alice Cooper –
Augen geschminktes Babies zeigenden Goldmünze und Brillianten verziert
war. Innen liegend befand sich ein Billion-Dollar-Schein zum Herausnehmen.
Die CD-Version wirkt gegen diese 70er-Jahre Opulenz einfach voll
"klein“.
Die
Titelfolge bietet eine abwechslungsreiche Sammlung.
1.
Hello , Hooray ! Eröffnungsnummer eines Rahmen,
wie so oft bei A.C.´s Alben bereits als zukünftige Bühnenshow
in Sequenzen zirkusartiger Szenen konzipiert
.
2.
Raped and Freezin´: spaßiger Titel über einen abenteuerlichen
Trip durch die Weite amerikanischer Landschaften. Gerne werden solche
Novellen, wie sie viele von uns in Ihrer Jugend erlebten, im Rockgenre
besungen.
3.
Elected: Der damalige Charthit. Politisch Lied
ist hier kein garstig Lied, sondern eine fette Rockhymne, die so
allgemein, wie treffend die korrupte Geilheit von Politikerpersönlichkeiten
um jeden Preis die Stimmen zur Macht auf sich zu vereinen, spiegelt.
Damals wie heute, hat sich kaum ´was geändert: "I wanna
be elected!“.
4.
Die Titelnummer: Billion Dollar Babies.
5.
Unfinished Sweet ist ein eigentlich aberwitziges
Stück über Zahnweh ( Rockmusik besingt eben nicht nur die hehren
Werte übermenschlicher Ideale ), den folgenden Zahnarztbesuch mit
der programmmusikalischen Ausgestaltung bis zu den nicht unerwarteten
Geräuschen einer spannend inszenierten Extraktion. Damals unser
Favorit. Danach: befreiende Klänge. Eine irre Kuriosität.
6.
No more Mr. Nice Guy: Über einen, dessen perfekte
Bedienung hehrer Ideale seine Umgebung derart angewidert, dass er
sie eines normalen Gesellschaftslebens aufgibt.
7.
Generation Landslide: Rockertypische Kritik an
der bigotten Oberflächlichkeit verlogenen Bürgertums, und 8. Sick
Things mit A.C.-mäßig gruseligen Inhalten.
9.
Mary Ann: Hier handelt es sich entgegen ersten
Unterstellungen nicht um eine der zur Zeit der VÖ und unter Musikern
immer wieder zu Liedern geronnenen Liebe eines bestimmten Wesens.
Meist mystisch meint man, es müsse sich immer um dieselbe Dame oder
zwei davon, Maria und Anna, handeln, von welchen der Eine oder Andere
gerne behaupten, sie sei(en) Ihnen bekannt, wüssten wer gemeint
ist oder hätten sogar regelmäßig mit ihr/ihnen zu tun. Überhaupt
handle es sich um poetisch übertragene Bedeutung. In Wirklichkeit
ist dieser schmissige Rockragtime ein Beweis, dass seit Beethoven,
Liszt, Chopin immer noch mitreißende Klaviermusik geschrieben wird.
Gaudium.
Zufrieden
schließt das Spektakel mit der passenden Abschlusserkenntnis:
"I love the dead“. Alle Texte – leider sehr klein
– im Booklet. Reichlich Ironie, Zynismus, Gesellschaftsspiegel.
Geiles
Album. Rockmusik mit Herz und Hirn und einer gehörigen Portion Spass
am Leben.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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