Vielleicht
lag es an dem so schmalen Eindruck der Maffay-CD.
Gleich darauf legte ich zum ersten Mal MEDUSA ein. Eine Offenbarung.
Eine ältere Produktion von 1995 mit sehr viel künstlich elektronischen
Klangerzeugern. Lauter bestehende Lieder. Das ist kein Rock und
ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Annie Lennox ist etabliert genug
und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges schiefgehen,
wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer langjährigen Formation
plötzlich Solopfade einschlägt. Fakt ist: Die hat´s. Das weißt
du nach drei Sekunden?
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Ganz
klar Synthie Pop. Vermutlich sollte es genau das werden. Ist Annie
bekanntlich die Stimme der EURHYTHMICS, welche für sehr erfolgreichen
Synthiepop stehen und dessen andere Hälfte Dave Stewart (Zitat zu
übersteuerten Signalen bei einer Session in Berlin: "Egal klingt
immer gut.") ebenfalls weiter in diesem Genre aktiv blieb.
Nach meinem Eindruck sind die elektronischen Klangerzeuger vielfach,
wenn nicht alle real eingespielt und werden nicht nur von Sequenzern
gesteuert. Drummachines hört man als solche und dazu kommen auch
natürliche Instrumente. All das tut der Sache keinen Abbruch.
Die
teilweise sehr bekannten Songs, wie - no more "i love you´s"-
, -take me to the river- oder -a whiter shade of pale-
sind ihre persönliche Wahl und jedem wird einmal mehr Leben eingehaucht.
Mit an sich relativ schlichten Arrangements erhält jede Nummer eine
ihr entsprechende Stimmung und Lennox Stimme setzt ihr unverwechselbares
Timbre in einfüllungsvoller Weise variabel hinzu. Sehr empfindsamer
Synthie-Pop!
Hätte
das Produkt leicht stromlinienförmig und aalglatt werden können
ist es das ganz und gar nicht. Es klingt nach der sprichwörtlich
handgemachten Musik von Menschen. Man hört das Fleisch und das Blut.
Das groovt, das schmachtet, es schwebt in Sphären und ist cool.
Haben die Songs auch keine Gemeinsamkeit außer der Wahl durch Annie
und sind die Stimmungen vielfältig so kann man das Album doch gut
durchhören. Es bietet eine stabile Einheit als musikalisches Werk
in sich.
Das
Cover spiegelt diese klare, stabile Attitüde gut wieder: Eine bleichhäutige
Annie Lennox als 5/7-Büste, den eigenen Namen in Schreibmaschinen
-- Lettern auf die Stirn des markanten Gesichtes geschrieben. Einziger
Farbtupfer ist der in die linke, obere Ecke groß und in Großbuchstaben
in tiefem Kaminrot von oben nach unten gesetzte Titel: MEDUSA.
Innen
wurde die Idee der Schreibmaschinenbuchstaben auf das ganze Gesicht
übertragen und sonst finden sich die Songtitel, die nötigen Label-,
Copyright-,Musiker-Infos, Danksagung und klare, aufrichtige Worte:
...love and gratitude...feel privileged to have been given this
opportunity...To the writers of these beautiful songs I offer my
profound respects.
So
ist das: Die, welche selbst glückspendende Fähigkeiten auf hohes
Niveau entwickelt haben, üben sich auch gerne in angemessener Demut.
Die
Schreibmaschinen Lettern sind eine sehr passende Metapher: Geschaffen
von einer Maschine als Werkzeug des Menschen mit einem perfektionistisch,
industriell gefertigten Druckkopf sind die Buchstaben doch mit echter,
flüssiger Tinte auf Papier aus ehemaligem Holz gedruckt und hinterlassen
eine Verformung darin, fransen an den Rändern aus und sind doch
alle zwangsläufig individuell und lebendig in ihrem mechanischen
Ursprung der Wiederholbarkeit. Ein interessantes Konzept.
Das
ist Kunst. (Unter Zurücklassung meiner gefürchteten gesamtphilosophischen
Analysen weitergehender Universalität.) Alle dürfen sich in eigener
Art darauf einlassen!
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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