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Wie
so viele große Namen muss auch Joe Cocker mit immer dem gleichen,
einem Ereignis konfrontiert sein, welches ihn in die Köpfe des Publikums
katapultiert hat, ohne das dieses sich leicht darüber hinaus Aufmerksamkeit
abringen kann. (Den Klassik -- ECHO bekommt einfach wieder die Anne
Sophie Mutter, weil mehr als einen Namen kann sich auch das Bildungsbürgertum
nicht merken. Als wenn sonst keiner was zerreißen würde. Die wahren
Gründe sind auch nicht erfreulicher.) Also der Fluch von Woodstock:
Jeder der dabei war ist seitdem berühmt. Es hätte wohl genügt auf
der Bühne in einem Tonkrug hockend Anti-Kriegs-Rhythmen zu furzen
um davon zu profitieren. Allerdings muss sich jeder der Betroffenen
fragen, ob irgendetwas darüber hinaus von seinem künstlerischen
Leben wahrgenommen wird und vor allem geworden wäre, hätte er Woodstock
verpasst (z.B.: wegen Durchfall)?
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Also
wer weiß mehr von J.C. , als dass er damals, der junge, wenig attraktive
und zusätzlich reichlich ungepflegt scheinende Kerl war, der mit
ungelenken Bewegungen wie ein Spastiker, die gar nichts dafür konnten,
den alten Beatles Schmonzes gesungen hat ? Man hatte ohnehin den
Eindruck alle Künstler spielten jeweils nur eine Nummer, jedenfalls
ist nichts weiter überliefert und wieso hat das dann drei Tage gedauert?
Das Beste an der Neuinterpretation war eh die heiße Hammondorgel.
Gesanglich bot RINGO, der Sänger
des Beatles-Originals, keine unüberwindliche Vorgabe. (Diese
Kritik wird mir sicher verziehen, da die stimmliche Dimension RINGOs
weithin bekannt ist und er schließlich Schlagzeuger ist.) Seitdem
kämpfte Cocker wie so viele seiner Kollegen immer mal wieder mit
persönlichen und finanziellen Problemen. Erhob die unwillkürliche
Bewegungsspezialität zu einem Markenzeichen, nachdem ständig geklärt
werden musste, er sei nicht krank, sondern dies ist Ausdruck der
musikalischen Leidenschaft, welche beim Singen über ihn komme.
Obwohl
viel älter scheint Cocker hier weit geläuterter und weniger spastisch.
Die Bilder auf dem Cover zeigen einen ernsthaften, schwarz-weiß
beleuchteten Herrn mit akkuratem Vollbart. Nur das JC Logo auf der
Rückseite des Booklets trägt ein bisschen. Alle Texte der schönen
Nummern sind vollständig abgedruckt. Diese sind (bis auf eine Nummer)
nicht von Cocker, der bei seinen Leisten bleibt. Er ist Sänger.
Die durchweg hervorragenden Songs sind von allen möglichen verschiedenen
Urhebern und sehr gut auf Cocker zugeschnitten. Sie bieten ein schönes
Feld für seine stimmlichen Qualitäten und er holt aus den Liedern
heraus, was ihnen gebührt. Vergesst Woodstock. Es waren sowieso
alle be....Nein, eben Cocker ist zurecht so angesehen. Singt superklasse.
"Summer in the City" war damals der Hit. Eine alte Nummer, welche
eine neue Krone erhielt. Das höchst ausgeklügelte Arrangement ist
poppig, soulig, Big-Band-artig und bettet Cockers Stimme wie die
Stadt, ihre Lichter , die Geräusche und der Duft der sommerlichen
Abendluft den spazierenden Nachschwärmer in dem Lied selbst.
Überhaupt
ist die Instrumentierung der Nummern reichhaltig, farbig und abwechslungsreich.
Streicher, Bläser, Percussion, Backgroundchöre, Synthesizer, Band:
Alles da! Die Fülle der Klänge des Instrumentariums werden offenbar
von den Arrangeuren erstklassig beherrscht und die Musiker spielen,
dass es eine Freude ist. Cocker genießt es und singt voll Sentiment
und Pathos. Dick aufgetragen ist das schon. Teilweise bombastisch.
Aber nur weil es soviel Vergnügen bereitet. Spirituelles, Trost,
Lebensklugheit, Lebensgefühl, Philosophie ach was , Lieder schreibt
und singt man über Alles, was es gibt und den Menschen bewegt, betrifft,
berührt: "Let the Healing begin", "Have a little
Faith", "The Simple Things", "The Great Divide",
"Soul Time", "Hell and Highwater", "Take
me Home" und mehr. Pathos, Soul und Herrlichkeit.
Wunderbar
großzügig und schön produziert. (Es ist möglich überemotionale,
Chart-taugliche Musik für Jedermann sauber und kommerziell erfolgreich
zu produzieren , OHNE dabei belanglosen Scheiß mangels Seele zu
bekommen !)
Die
Musik ist wie Cocker in "Standing kneedeep in the River"
feststellt: "When will we ever learn? Standing kneedeep in the
river, dying of thirst." Diese Scheibe ist Beweis. Hier stehen
wir bis zu den Knien im Strom und dürsten nach mehr. Das Lied handelt
zwar von einem viel tiefer gehenden menschlichen Irrtum, aber darüber
macht euch bitte selbst die befreienden Gedanken!
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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