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Khadja
Nin hat sich seit ihrem letzten Album YA ! 1998 weitgehend
aus dem Musikgeschäft zurückgezogen und ist inzwischen mit dem ehemals
sehr erfolgreichen Rennfahrer Jackie Ickx verheiratet. Ihr Bekanntheitsgrad
in Deutschland ist zu unrecht gering und ihre Alben waren und sind
in den Läden kaum vorrätig. Die Veröffentlichungen Khadja Nin
1992, Ya Pili… (von den Vögeln) 1994, die oben genannte
letzte und die hier besprochene Compilation Sambolera mit
"Best of…“ – Charakter wurden in Belgien bzw. Frankreich veröffentlicht,
wo Khadja Nin seit langem lebt und Ansehen genießt.
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Sie
arbeitet im Wohltätigkeitsbereich und an humanitären Projekten vor
allem für die Menschen ihrer Heimat Afrika. Ursprünglich in Burundi
geboren, sang sie wie alle Afrikaner schon von Kind auf, imitierte
und wünschte die leider jüngst verstorbene Gesangsikone Afrikas,
Myriam Makeba zu sein. Ihr selbstbewusste Ziele, tragische Stationen,
glückliche Wendungen und große Erfolge aufweisender Lebenslauf findet
sich ausführlich auf ihrer Webpage allerdings nur in englisch und
französisch. Zusammenfassung in Deutsch auf Wikipedia.
In
einer Zeit großen Unglücks wurde Khadja Nin und ihre tiefe, volle
Stimme mit dem hypnotischen Klang afrikanischer Magie von dem etablierten
Multiinstrumentalist, Produzent und Komponist Nicolasz Fishman als
"vom Himmel gesandte Prinzessin“ entdeckt und es kam zu dieser fruchtbaren
musikalischen Zusammenarbeit. Sambolera wurde natürlich
wegen der gelungenen Songzusammenstellung zur Besprechung als repräsentativ
gewählt. Mit diesem Album gelang den beiden auch der Durchbruch.
Die Lieder reichen vom Persönlichen, über Weisheit und Spirituellem,
sowie Politischem bis zur Situation der Völker Afrikas. Die meisten
sind in den wunderbar klangvollen, vokalreichen Sprachen Kisuaheli
oder Kirundi verfasst, eines in Französisch.
Der
Titelsong Sambolera Mayi Son ist quasi metapolitisch. Der
Text spricht von der Selbstüberschätzung mächtiger Männer, ihren
Irrtum sich für göttlich zu halten, Ihre Behauptungen ihr Mangel
an Mitgefühl sei gottgewollte Herrschaft, ihr Krieg und ihre Morde
geführt im Namen des Herrn, ihre Selbsttäuschung, Lügen und leeren
Worte. Der Song spricht zu einem Hoffnungsträger. Das frische Free
ist eine Adaption von Stevie Wonder in Kadjas Muttersprache und
mag die Erfahrung einer eigenen Befreiung wiedergeben. Diese Nummer
ist nur auf dieser Scheibe. Schöne Geltung verschaffen die ruhigen
Stücke Wale Watu und Mama Lusiya - Mutter Erde,
dieser einzigartigen Stimme. Save Us, textlich ein Hilferuf
der Völker Afrikas´, musikalisch eine schnelle, hoffnungsvolle Tanznummer.
Ballade, Midtempo und der hochfröhliche Zouk-Titel (Zouk:
Afrikanischer Populärmusikstil, wörtlich übersetzt bedeutet es Markt)
über den Freiheitsheld Barik Fall folgen. Nach zwei wieder beschwörender
klingenden Nummern ihrer rauchigen Stimme schließt das Werk mit
dem unvergleichlich schönen Lied über die verborgene Liebe einer
demütigen Frau: "Du mein Leben, lass mich für dich singen…“
Die Musik ist eindeutig von sowohl starken afrikanischen Einflüssen, wie auch vom charakteristisch, französisch-belgischen Stil geprägt. Die historischen Verbindungen der Nationen ist bekannt. Die Kompositionen Fishmans sind ebenso angenehm, zugänglich wie klar und von sicherer Beherrschung des musikalischen Handwerks und Instrumentariums zeugend. Dabei originell und originär. Steht die kräftig fürsorglich klingende Stimme Khadja Nins, deren tiefe, aus den eigenen Erfahrungen gewonnene Menschlichkeit den Hörer in mystischer Weise wie ein Geschenk des Himmels berührt, im Vordergrund, steht zum Glück die Qualität, der sie begleitenden Musik in keiner Weise dahinter zurück. Es ist eine seltene Symbiose künstlerischer Persönlichkeiten, von hervorragenden Musikern und klangvollem Background in familiärer Gemeinschaft unterstützt. Technische Qualität ohne Makel. Druckvoll, dynamisch und durchsichtig. Die Texte finden sich im Original und englischer Übersetzung im Booklet mit Bildern.
Die
letzte Nummer, das Liebeslied Bwana C. findet sich schon
auf der ersten Scheibe, ist hier aber wirklich nur einen Funken
langsamer (4:39 statt 4:20) und ein bisschen "weicher“ gemischt,
wodurch es für meine Einschätzung sehr gewinnt.
Khadja
Nin selbst wirkt scheu und empfindsam. So sicher und kräftig die
Stimme ist, so leicht verraten Mimik und Bewegung das kindlich verletzliche
Seelenwesen der Schönheit. Ihre Backgroundvocalisten nennt sie "Bruder"
und "Schwester" und verkündet in ihrer glaubwürdig bestimmten Bescheidenheit:
"I am not the boss, I am only in the front.“ In einer ihr eigenen
Art der Demut, weiß sie: "No-one gets anywhere alone.“ Ein
Grossteil der Atmosphäre entsteht gerade durch den für Afrika typischen
Harmoniegesang, welcher die seelische Einheit, die gesunde, natürliche
Kraft dieser Menschen im Glück spendenden Zusammenklang ihrer stolzen
Stimmen wiedergibt und überträgt. Fragile Souveränität.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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