Es ist
nie zu spät über Norah Jones zu schreiben, schließlich ist die 27
Jährige New Yorkerin nicht nur die Tochter von Ravi Shankar sondern
hat auch bereits 8 Grammies in ihrer noch kurzen Karriere errungen.
Ravi
Shankar, war das nicht dieser Inder der den Beatles vor allem George
Harrison die Sithar lehrte und dadurch so schöne Lieder wie
"My sweet lord“ prägte. Wow, wenn man sich dieses
bewusst macht steigt der Erwartungsdruck für die dritte Platte
von Nora Jones noch weiter.
Hm, Norah Jones spaltet jetzt die Musikhörer in zwei Lager
– die Tee- und die Biertrinker. Es ist alles wunderschön
anzuhören und toll instrumentiert. Aber Hymnen zum mitsingen
sucht man vergebens. Wenn mich jemand fragen würde was ich
zu der Platte zu sagen habe – okay, ihr lest es ja ohnehin
gerade – würde ich "Nett“ sagen. Nett ist
ja für einen Mann nicht unbedingt ein Kompliment – was
ist es dann für die nette Nora Jones?
Ihre
erste Platte "Come away with me“ räumte acht Grammies
ab (unter anderem "best female artist“ ) und präsentierte
eine Mischung aus romantischer, positiver und melancholischer Musik
mit der Mann jede Frau beeindrucken könnte. Das neue Album
ist zwar ebenfalls schön anzuhören, versumpft aber ein
ums andere Mal in der Melancholie. Schönster Anspieltyp ist
für mich das Stück "Broken“ – bei dieser
fabelhaften Instrumentierung aus Streichern könnte der eine
oder andere eher rustikale Mann beim Musikauflegen dann doch Frauen
mit seiner emotionalen Seite beeindrucken.
Insgesamt
ist zwar jedes Lied auf seine Art schön und wohl auch Norah Jones
Verständnis von Musik, worüber man sich beim ersten Reinhören sehr
freut. Sicherlich wird auch in der einen oder anderen easy listening
Phase die Platte immer wieder rauskramen, aber wenn ich die Wahl
habe greife ich dann doch wieder zu "Come away with me“ und wünsche
mir mit Nora aus dem Alltag zu flüchten.
Michael
Kompa
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