"Wenn
nicht für immer, dann wenigstens ewig" Von solcher Qualität
sind die Texte auf Peter Maffays neuester Platte. Da waren Zeiten
von "Über sieben Brücken musst du gehen" vergleichsweise
von philosophischem Tiefgang geprägt. Tja, war der Song damals vielleicht
gar nicht so schlecht und auch nicht von Maffay, sondern von den
in ostdeutschen Landen beheimateten "KARAT", welche auch
sonst wiederholt Substanz bewiesen, und nur von Peter M. ge...liehen.
Doch
diesmal macht der Peter wieder seine "eigenen" Sachen und es kommt
es noch ärger als man ohnehin schon denken wollte:
"Die
Peter Maffay open disc ist dein ganz persönlicher Zugang zu Peter
Maffay. Dich erwarten spannende Gewinnspiele /(sic ? Anm.d.R.)/,
Webchats mit Peter Maffay /(dem wahren Peter Maffay? Wieder
Anm.d.R.)/ und andere Specials nur für dich. /(das ist
ja mal echt nichtkommerziell: Für jeden Fan eigene individuelle
Specials einzurichten ist sicher nicht profitabel. Oder versteht
da irgendwer etwas falsch? A.d.R.)/ Darüber hinaus wirst du
zu VIP-Veranstaltungen eingeladen /(Da muss es aber sehr viele
VIPs geben.)/ und hast die Chance auf persönliche Treffen /(mehrere?)/
mit Peter Maffay." /(grusel A.d.R.)/ .
So
steht es auf der CD. Man merkt sofort: das ist das Produkt eines
grundehrlichen Rock´n´Rollers, der es nicht mehr nötig hat Fans
aus finanziellen Gesichtspunkten heraus mit nutzlosem Schrott zu
verblöden. Diesem Mann ist es mit der Musik und seiner Message ernst.
Peter
Maffay hat die Ewigkeit entdeckt.
Klar,
das sind alles die Ergebnisse der Interessen seiner Plattenfirma.
Er selbst hat damit nichts zu tun. Natürlich muss der Künstler leben
und da ist es gut, wenn der kommerzielle Teil des Geschäftes in
den Händen der Kaufleute liegt, damit sich das Künstlerherz frei
den Schwingen des Pegasus hingeben kann. Sicher hat sich da mein
neidischer Geist wohl getäuscht. Ich dachte Maffay wäre schon reich.
Wahrscheinlich alles verso...schenkt ? An Lilli....?
Man möchte nicht intolerant wirken und ganz sicher
und selbstverständlich darf jeder seinen Neigungen und persönlichen
Defiziten nachgehen soviel er möchte (solange er niemand anderen
schädigt usw.), aber ich fand es schon immer seltsam peinlich, wenn
Männer über einem gewissen Alter ein Halbstarken-Image mit abgewetzten
Lederjacken verbreiten. Um die auf kotzgrünen Hintergrund verewigten
Texte im dunkel und schwarz gehaltenen Booklet: Romantisierende
Bilder von aufgereihten Gitarrentrophäen, Hammondorgeltastaturen,
ernst blickenden Musikern vor Verstärkern und einem einzeln für
sich stehenden Mikrofon überhöhen die Studiosituation zu wertvoller
Schöpfung dauernder Rockkultur, ja idealisieren das Leben der Schöpfer
selbst. Das freie, wilde Rockmusikerdasein. Maffay mit verschmitzt
hochgezogenem Mundwinkel lässig vor einer Harley-Davidson. /(sind
so krass Flammen auf den Tank gemalt. Weißt schon: Burn.)/ Lieber
würdig altern. Aber egal. Alles kann verziehen werden, wenn die
Mucke passt.
"Da
draussen warten deine Träume" Lieber Peter Maffay: Lass sie
endlich rein. Peter Maffay bewegt sich auf dem Level von Schülerbands.
Sorry Schülerbands, darunter natürlich. Ich verstehe das nicht.
Außer es könnte sein er ist einfach so, kann es nicht besser, will
es nicht anders. Nicht die Produktion ist mangelhaft. Die Produktion
ist top. Die Instrumente klingen wie im Märchen, sind fehlerlos,
kristallklar. Eine unnötig lange Note am Ende des ersten Liedes
...in seiner Stimme konnten sie nicht retten. Lies er vielleicht
aus dummen Stolz nicht retten .
Gequält
tiefgründige Texte optimistischer Ernsthaftigkeit, angeblicher Lebenserfahrenheit.
Weisheit des Gutmenschen. Immer einen mitfühlenden Rat der Zuversichtlichkeit
parat. Fassadentrost. "Ich kann wenn ich will und ich weiß wenn
ich will dann kann ich" Kumpelhaft und jovial kommt Maffay
uns. Poetisch. Paradox philosophisch. Die Worte zu platt. Binsenweisheit.
Für den der´s mag .
Selbst wenn ich die eine oder andere Konstruktion des Songs gern
verfolgen möchte, lenkt mich der Käse den Maffay da von sich gibt ab. Die Musik. So technisch einwandfrei sie sich präsentiert, klanglich
beängstigend durchsichtig. Jeden Ton eines jeden einzelnen Instrumentes
hört man zu jedem Zeitpunkt aus den Arrangements heraus. Die weniger
stark besetzten Nummern sind schlicht und sauber gemischt. Band- oder
Verstärkerrauschen, Geräusche, Mikropops, Trittschall oder was sonst auf
einer Aufnahme stören könnte sind studiotechnisch längst passé. Aber das
hier war teuer.
Schön. Produktion Eins Plus. Summa cum Laude. Maffay und seine Band bringen das gewiss auch angemessen auf die Bühne.
Da braucht man einen so perfektionistischen Anspruch auch nicht. Maffay
live gibt es auch schon lange
.
Genussvolle
Bosheit erinnert sich gerne an die Zeit als Hochadel sich nach endlosem
Sehnen des Volkes auf Deutschland -- Tournee begab. Michael Jäger
und sein Geröll. Mit Klampfen-Richard und Carl Watt, ein William
Wiemann und Holz Ronnie. Damals mehr noch als heute ein Ereignis
geschichtlicher Dimension für die Fans. Dann wurde bekannt, dass
Peter Maffay mit seiner Band das Vorprogramm bei den Konzerten bestreiten
sollte. Man mutmaßte es sei eine Entscheidung des Veranstalters
die Popularität des Hauptacts ohne Rücksicht auf Geschmack, Vorlieben
und Wünsche des Publikums zur Präsentation dieses deutschen Acts
marketingmässig auszunutzen. Niemand glaubte, die Stones hätten
gewusst, wer Maffay war oder die Musik selbst gehört. Man dachte,
das kann nicht sein, die wissen davon nichts. Ungebändigter Hohn
wallte durch die Rockgemeinde. Voller Abscheu, gezwungen zu sein
sich vor dem lang erwartet eigentlichen Genuss einem Schlagersänger
das Ohr leihen zu müssen, reiste man in die Stadien. Im Münchner
Olympiastadion handelte es sich um durchgängige BUH-Rufe und Aufhören-Chöre.
Als das Programm durch war, null Zugabe, nein, frenetischer Verabschiebungsjubel.
Grausam .
Offiziell
war Maffay (damals) als Vorgruppe der Stones natürlich ein Erfolg.
Meine Güte. Es ist schon nicht leicht Anheizer für die lebendigen
Feuergötter spielen zu müssen, wenn man den richtigen Stand hat,
wie die J.Geils Band. Mr.Wolf, deren Sänger wusste wohl nicht, was
er tat, kündigte er den zwischen seiner ehrenvollen Formation und
den Kerlen die zum Schluss spielen mussten, zerdrückten, zermahlenden
Peter Maffay an, in dem er das Publikum mit Fragen nach ihrer Vorliebe
für Schlager aufrüttelte. Teilweise sollen Eier und Tomaten Richtung
Bühne geflogen sein. Maffays Management hätte wirklich kommerzielles
Interesse hinter mehr Feingefühl zurücktreten lassen können. Sowas
hätte nicht sein müssen. Seitdem hat Maffay eine gehörige Fangemeinde
hinter sich. Viele Konzerte gespielt.
Damals ging immer das Gerücht Maffay, der selbst wirklich gar nichts
drauf habe, könne mit seinem Geld aus den Schlagerhits die guten
Musiker um sich scharen, welche dann den Job für ihn erledigten.
Wichtigster sei dabei sein dicklicher Gitarrist Frank Diez, welcher
optisch weniger Medienkompatibel doch der eigentliche musikalische
Könner war. Er benutzte z. B. die wegen des Designs eichenartig
wirkenden, dunklen Holzes und der japanischen Herkunft als
Wohnzimmergitarre verpönte IBANEZ "Musician", welche in Wahrheit extrem
gut und die Elektrik betreffend sehr innovativ war
.
Es
kam Tabaluga. Sehr erfolgreich. Kindermusicals sind immer
gut. Tanzen, Singen, Mitmachen. Riesenshow und alles was es braucht,
um nicht anzuecken. Hatte wohl autobiographische Züge der kleine
Drache. Die Message bisschen dürftig, aber gut. Ein Lied gefiel
mir sogar richtig gut. Ich erwarb die Platte, war von dem Rest enttäuscht
und fand: Der Song, welcher es mir angetan hat, war: nicht von Maffay.
Gar nicht .
Man
hat wieder Kohle und reist um die Welt. Gewinnt Freunde. Ich möchte
die Aufrichtigkeit der Beziehungen nicht in Frage stellen. Aber
wenn einer in Länder kommt, deren Musiker und die Menschen insgesamt
weniger komfortabel situiert sind, werden Produktionsangebote eines
begüterten Musikers eher nicht ausgeschlagen. Und warum sollte man
sich nicht verstehen und jede Menge Spaß haben. Sich etwas darauf
einzubilden, was alle möglichen Künstler und auch Reisende ohne
musikalische Mittel seit Jahr und Tag immer wieder zustande bringen,
scheint einfach komisch. Nicht Jeder macht aus seinen persönlichen
Erfahrungen eine Platte. Nicht jeder hat die Promotionmaschine sie
so zu vermarkten. Begegnungen nennt man das. Wenn man ein Maffay
und ein Aushängeschild deutschen Kulturverständnisses und Gutmenschentums
ist bekommt man dann auch noch den Fred Jay Preis. Wofür
ist der?
Man
hofft die in der Ferne darb...lebenden Mitmusiker bekommen ihre
Tantiemen und es bleibt nicht alles in...zurück zu dieser Platte.
"ewig" Die Musik hat keine Eigenart. Technisch perfektes Handwerk.
Musikalisches Handwerk. Das sind alles so Schulbeispiele. Prüfung
bestanden. Aber wenn Sie handgefertigte Designerarmaturen in einem
Marmorbad haben, stellen Sie sich auch nicht rein und bewundern
es als hohe Kunst. Es bleibt Handwerk. Funktionell. Die ganze Platte
wirkt kalt, seelenlos. Da ist kein Genie. Es sind textlich wie musikalisch
furchtbare Plattitüden, Allerweltsinhalte mit großem Aufwand technisch
perfekt in Szene gesetzt. Maffay Fans finden dass sicher klasse.
Maffay gibt den Underdog -- Hero, ein Held der Mittelmäßigen. Aber
Rock, Rock´n´Roll ist bekanntlich nicht nur Musik. Ist Rebellion
gegen gefühlloses Establishment. Ist Leidenschaft, Lebensgefühl.
Rock ist ein Fels. Roh. Er lebt von der natürlichen Lebendigkeit
nicht perfektionistisch sein zu wollen, zu müssen. Rock-Diamanten
sind ungeschliffen. Lässt sich ein Richards vielleicht liften? Geschliffene
Rock-Brillianten sind selten und dann von großer Genialität. Das
lässt sich nicht kaufen und nicht kopieren. Der himmlische Funke
findet sich in billigsten Erstlingswerken so gut wie er in den teuersten
Profiproduktionen mangeln kann. Es funktioniert offenbar nicht Rock
mit dem Anspruch ordentlichen Bürowesens zu produzieren. Es gibt
Schlager, viele gute, mit weit mehr Seele.
Rocker
sind Steine. Einfache Isarkiesel. Insgesamt unzählig und wie wir
alle nicht so herrlich. Doch ist keiner wie der Andere und jeder
einzelne mit unvergleichlichen Eigenarten. Edel auch ohne Schliff.
Der einzelne Fels als Teil der mächtigen Gebirge des Ganzen. Glänzend
vom noblen Staub der Landstrasse des alltäglichen Lebens. Ja, Rock´n´Roll
war Musik einer gesellschaftlich benachteiligten Gruppe. Unterschicht.
Menschen mit leidvollem Dasein. Die nicht teilhaben konnten am Wohlstand
des bürgerlichen Käfigs. Es sind nicht die, welche klein beigegeben
haben und über den Weg des geringsten Widerstandes sich im Regelwerk
der Konventionen eingenistet ihre Träume und Freiheit an die Fernsehunterhaltung
verkauft haben. Zu feige waren den Herausforderungen des Lebens
die Stirn zu bieten. Sorry, unterordnende Anpassung und Rock gehen
nicht zusammen. Da müsste man sich schon entscheiden. Das Ganze
hat den Charme einer Hausratsversicherung. Meinetwegen einer für
eine Villa am See. Trotzdem müssen die Fans von P.M. wohl Versicherungsvertreter
sein, die auch so gerne Rocker wären und in Wirklichkeit im tiefsten
Inneren ihrer Seele eigentlich wild und frei sind. Hätten sein wollen.
"Ich
kann wenn ich und ich weiß wenn ich will dann kann ich." Wurde
als die Entscheidung anstand eben doch die dumpfe Ruhe Utopiens
gewählt und man wählte, wie es heißt einen bürgerlichen Beruf? Ist
ja auch vernünftiger. Können ja nicht alle Rockstars werden. Macht
der Peter schon für uns. Reist um die Welt, macht Begegnungen, Musicals
für unsere Kinder, ist ein kleiner Drache, spuckt Feuer so zur Schau
und hat eine Harley Davidson...aber nie über die Stränge. Nichts
, was uns beunruhigt. Maffay betreibt den Spagat zwischen Rebellion
und gesellschaftsfähigen Konventionen. In alten Märchen läuft das
unter Seele verkauft. Dann sieht man auf politischen Infokanal:
Einsatz für Kinderrechte, Küsschen für Ministerinchen (sieht aus
wie Lilli...), Freundschaft auf höchster Ebene. Der erfolgreiche
Rebell-Musiker und die etablierte Familienfrau. Das muss doch ehrlich
gemeint sein. Dafür und damit unterbricht man den Redner und eigentlich
unhöflich den Fluss der Veranstaltung, welcher man gerade noch hochachtungsvoller
Aufmerksamkeit der ernsten Sache wegen ständig sein würdig bedeutsames
Gesicht ins Publikum geworfen hatte. Die persönliche Vertrautheit
der Privilegierten gestattet sich die Extravaganz. Inszeniert, auch
das. Die Teilnahme ist gespielt. Maffay glaubt sich wirklich. Wie
so vielen gelingt es ihm nicht mehr wirklich spontan zu sein. Wie
seine Lieder ist sein Verhalten derart planmäßig trainiert, dass
seine Persönlichkeit oder was man dafür hält, davon übrig ist nur
mehr diese Stereotypen an den Tag legt und sie deshalb als solche
hingenommen werden müssen. Betroffenheit geht so, Interesse so und
wieder herzliche Aufmerksamkeit anders. *Die festgelegten Signale
sagen: jetzt ist Mitgefühl. Ich sende dir das Signal Mitgefühl und
du projizierst all deine Wünsche an das Mitgefühl da hinein. Dann
ist es doch fast wie echtes Mitgefühl. .
There´
s no business, like Showbusiness.Viele Leute nehmen lieber
diese Second Hand Emotions. In Ermangelung echter Empfindungen.
Sind auch leichter zu ertragen, weniger gefährlich, werden nicht
schmerzlich. Aber war das nicht das Problem? Authentizität hieß
die politisch korrekte Worthülse für das, was die geschundenen Seelen
brauchen. Alles andere hält nur solange die Fassade nicht bröckelt.
Sonst fliegt der Schwindel auf. Und was passiert dann mit der Glaubwürdigkeit?
Ach ist schon zu oft passiert .
"Wir
müssen die Zeichen sehen" singt Maffay. Könnte klappen.
P.S.:
Gleich darauf legte ich zum ersten Mal "MEDUSA"
von Annie Lennox auf. Eine ältere Produktion mit sehr viel künstlich,
elektronischen Klangerzeugern. Lauter bekannte Lieder. Das ist kein
Rock und ohne Anspruch an Rebellion. Klar, Lennox ist etabliert
genug und kann singen. Wie auch immer kann trotzdem einiges schiefgehen,
wenn man nach dauerhaften (Chart-)Erfolgen einer langjährigen Formation
(EURHYTMICS) plötzlich Solopfade einschlägt. Vielleicht
lag es auch an dem so schmalen Eindruck der Maffay CD. Fakt ist:
Die hat es. Das weißt du nach drei Sekunden.
P.P.S.:
Am folgenden Tag war es Johnny Cash mit "American V".
Ein alter Mann singt alte Lieder. Begleitet von ein paar guten Musikern
mit wenigen Instrumenten. Ohne technischen Schnickschnack oder was.
Unendlich mehr Seele. Wahrheit. Intensität. Rock?
P.P.P.S.:
Noch mal, sorry, es soll ja welche gegeben haben, die ihn überlisten
konnten. Aber einmal die Seele an den Kommerzschlagerteufel verkauft,
gibt der sie bekanntlich nie wieder her. So war das eben mit der
Verdammnis: EWIG. So gesehen passt der Titel.
P.P.P.P.S.:
Leider auch das nur Kommerzschlagerteufelchen. Der wahre SATAN kauft
nur echte Rockerseelen (Stones) und macht es nicht unter
Metallica ;-) Bleibt noch die Frage, wer eigentlich die
Seelen der Scorpions gekauft hat? Daher bezieht sich der
Titel doch nur darauf, dass das Durchhören der gesamten CD, um nicht
vorschnell zu urteilen und jeder Nummer eine Chance zu geben, sich
ob dessen, was dies an subjektivem Zeitempfinden hervorruft schlicht
an Ewigkeitserfahrungen grenzt. :-(
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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