Konkurrenz für Katzen und Löwen


 
Interpret/Komponist: Martin Lingnau, Thomas Matschoss, Edith Jeske, Heiko Wohlgemuth
Titel: Swinging St. Pauli - Original Soundtrack
Tracks: 24
Spieldauer: 63:07 min
Label: Schmidt´s Tivoli / P & O CD Gmbh
Website: www.tivoli.de  


Schon eine ganze Weile hat sich das mitten auf der Hamburger Reeperbahn gelegene "Schmidt´s Tivoli" gegen die allmächtige Konkurrenz behauptet, die im ehemaligen Operettenhaus ebenso erfolgreich wie dauerhaft das Musical "Cats" aufführte. Zunächst unterstützt durch eine monatliche Sendung des NDRs wurden im Tivoli Programme mit der kurzzeitig sehr angesagten Marlene Jaschke aufgeführt. Später folgte dann eine beachtliche Eigenproduktion des Musicals "Cabaret" und zahlreiche Revuen wie etwa "Fifty Fifty" über die fünfziger Jahre und daran anschließend natürlich "Sixty Sixty".
 
    
 

Nun hatte dort auch ein Programm namens "Swinging St. Pauli" Premiere und entpuppte sich als ein ungemein gelungenes Musical, dass eigens für das Tivoli geschrieben und mit durchgehend neuer Musik versehen wurde. Das Stück spielt 1941 in Hamburg und handelt von Jugendlichen, die damals allen Verboten zum Trotz in Cafés wie dem Alsterpavillon zu ihrer verbotenen Lieblingsmusik abtanzten. Disney drehte zu diesem Thema bereits in Prag (als "Double" für Hamburg) den nicht allzu gelungenen Film "Swing Kids".

Wie es richtig gemacht wird, belegt jetzt "Swinging St. Pauli": Das Stück spielt hauptsächlich in "Leo´s Bar" und erzählt die Liebesgeschichten von drei jugendlichen Paaren. Deren junges Glück ist immer wieder von den Razzien der Nazis und der drohenden Einberufung zum Militär gefährdet. Spätestens wenn eine gewisse Emma, die Schnulze "Mein Lied für Dich" schmettert, wird klar, dass hier nicht nur geschickt nachkomponierte Swingmusik geboten wird. Die Nummer erreicht mühelos den Schmalzpegel von "Memories" aus "Cats". Sie wird genauso als Schlüssellied eingesetzt wie "As Times goes by" in "Casablanca" und ist ein hübscher Kontrast zum Schunkelstück "Der Kiez hält zusammen".

So entsteht scheinbar mühelos eine Mischung aus Zeitgeschichte, Melodram und beschwingter Revue, wie sie sonst aus Musical-Importen aus New York oder London auf unsere Bühnen kommt. Bei Eigenproduktionen wie dieser muss das "Schmidt´s Tivoli" keine Angst vor dem im Hamburger Hafen aufgeführten, scheinbar übermächtigen Disney-Musical "Der König der Löwen" haben.

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