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Die
seit ihrem Debutalbum "The Violin Player" 1995 vielfältige
Aufmerksamkeit erregende Ausnahmemusikerin wurde als Tochter eines
Thailänders und einer Chinesin geboren; ihr Adoptivvater Graham
Nicholson ist Brite. Vanessa Mae lebt in London. Sie begann im Alter
von drei Jahren Klavier und erst danach mit fünf Jahren Violine
zu spielen. Mit zehn war sie beim London Philharmonic Orchestra
mit der Aufnahme in das Royal College of Music nur ein Jahr später.
Vanessa-Mae spricht Englisch, Französisch, Spanisch, etwas Deutsch
und Chinesisch.
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Trotz
dieser und vieler weiterer Erfolge und Preise wird sie in der strengen
Welt der Klassik oftmals noch immer geschmäht. In ihrer Philosophie
und ganz offensichtlich in ihrer musikalischen Praxis steht der
Spaß an der Musik klar im Vordergrund. Damit tun sich gewisse Wächter
der Kunst seit jeher schwer. Die in Hotpants ihre pubertäre Erotik
lebende Künstlerin vergraulte solche Gestalten gleich zu Beginn
ihrer internationalen Karriere. Erotik scheuen vor zwanghafter Regeltreue
staubtrockene Kulturhüter wie der Teufel das Weihwasser. Wörtlich.
Vanessa
Mae macht es ihnen nicht leicht. Ist sie doch hochgradig virtuos,
musikalisch extrem vielseitig, bildhübsch, ohne Hehl bezüglich eines
gerne genutzten Sexappeal, hervorragend intelligent und mit ihrer
ausgezeichnet freundlich angenehmen Art eine souveräne, selbstbestimmte
Frau. Sie hat Spaß, sie findet ihn wichtig, vielleicht das
Wichtigste an der Musik und sie kann ihn vermitteln. Vanessa Mae
macht Spaß. Besonders live. Vanessa Mae wandelt stets über frisch
mit Wasser bespritzten Rosenblättern auf die Bühne.
Wenn
sie einem freimütig nach geduldig unzähligen Fotowünschen der immer
gleichen und dann neuen Fans bereitwillig ohne Allüren stets freundlich
nachgebend gegenübersteht und in die Augen blickt, spürt man eine
segenspendende, klare Energie herrlich strahlender Schönheit.
Eigentlich
mochte ich keinem ihrer auch unterschiedlichen Platten, welche allesamt
besondere Perlen enthalten, den Vorzug geben. Dieses bietet einmal
mehr ein wunderbares Potpourri scheinbar unvereinbarer Stilistiken
mit durchweg gelungenen Arrangements teilweise bekannter, klassischer,
fernerer und spezieller Titel. Insgesamt ist es poppig. Dabei energetisch
sehr kraftvoll.
Auf
das sanft einleitende "Summer Haze" folgt die sehr an Vivaldis
Jahreszeiten erinnernde Titelnummer "Storm". Die gerät manchmal
haarscharf nicht aus den Fugen. "Retro" kann ganz gut als
eigenständige Synth-Fusion Nummer erklärt werden. Das hübsche "Bach
Street Prelude" in sich kapriziös entwickelnden, sich bisweilen
verklärendem Computerspieluhrenarrangement kommt als Nächstes. Kontrastreich
dann eine erzählerische Gipsy-Moritat. Kippt sie manchmal wieder
klassische Motive birgt sie überbordende, spielfreudige Musikalität.
Aber
jetzt geht´s erst los: Der "Can Can". Garant für gute Stimmung
als knallharte Disco-Hymne. Wer will da "Nein" sagen? (und wenn,
selber schuld) Stromgeige und Gestöhne. Accelerando zum Schluss
und künstlicher Chor. "Can, Can (You?)" lautet
der abgewandelte Titel. Sie kann´s. Und zwar hemmungslos.
"Happy
Valley" total anders. Eine Modern-Classics Celebration mit
asiatischen Elementen und echtem Chinesen Chor. Zur Wiedervereinigung
Hong Kong´s mit dem Festland. Da kann man nicht meckern. "A
Poet´s Quest (for a Distant Paradise)" -für was sonst?-
ist poetisch. (was sonst?) Sehr salbungsvoll. "Embrasse
Moi (You fly me up)", die erste Nummer mit Vanessa an
den Vocals. Himmlisch. "Aurora" trägt uns schwungvoll mit
Violinengeschmacht über die Landschaften. "I´m a doun"
ein sentimentales schottische Volkslied aus dem 19. Jahrhundert.
Aufwendig orchestriert und nicht so langweilig wie "Mull of
Kintyre". (Sorry Paul.) Jetzt der damalige Aufhänger: Donna
Summers No.1 "I Feel Love" mit Vanessa on Vocals. Unweigerlich
Disco. Hart, kühl und schwülstig. Dieser sehr spacy.
Extrem
cool im Anschluss die fantastisch Starke Nummer "Hocus Pocus"
der frühen Klassikrocker aus den Niederlanden: "Focus".
Damals eine Sensation. Frisch wie nie kommt sie hier mit Hilfe fortgeschrittener
Aufnahme - und Klangtechnik in grossartig entwickelter Neuauflage
und musikalisch voll der Freude einer beim Spiel tanzenden, jungen
Frau daher.Alles mündet im sakralen "The Blessed Spirits".
Eine Frau, die dankbar und glücklich ist, sich an der Spitze ihrer
Zunft und des Daseins zu befinden. Genau da, wo Menschen wie sie
hingehören .
P.S.:
Wenn ihr eine moderne Version der "Vier Jahreszeiten" von
Vivaldi (in originaler Version mit nur leicht angepasstem Arrangement
und mit zusätzlichem Material auf der Platte) sucht, seien euch
auch diese von Vanessa Mae an´s Herz gelegt. Sehr lebendig und Vivaldi
hätte sich womöglich gefreut (denn der Barock war kein Zeitalter
"unveränderlicher Vierecke") auch ´mal wieder eine die Strenge durch
Lust am Spiel durchbrechende Version zu erleben.
bernhard
r.c.faaß www.empyreal.de
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